34 Bewohner Amcrika's. Die Indianer.

die körperliche Kraft aufzuregen, und inneren Schmerz, Sorge und Gram in vorübergehende Lust zu verfenken.

Der Indianer Scharfblick ist so groß, daß ihnen die Spuren Voran­gegangener klar sind, und von ihnen als Mittel benutzt werden, Gesuchtes zu erkennen, Geschehenes zu überdenken, möglicherweise Bevorstehendes zu ahnen, Unthunliches zu meiden. Was manchem hochstehenden Europäer, der durch Geburt, Zufall oder Gunst seinen Platz erwarb, unklar ist, das steht die einfache, nicht verdrehte, nicht durch böse Träume getrübte, scharf beobachtende, schlichte Natur des sogenannten Wilden.

Die Indianer sind witzig, erregen durch ihre satirischen und sinnreichen Bemerkungen leicht Lachen, beleidigen aber nicht dabei. Wenn sie z. B. einen schlechten Schützen auf die Jagd gehen sehen, so fragen sie ihn, ob er Fleisch holen wolle, unter sich aber sagen sie, wir werden Fleisch bekommen, weil der auf die Jagd gegangen ist. Es ist nämlich den mit der Jagd bekannten nicht fremd, daß schlechte Schützen, welche man in Deutschland auch Luder­schützen nennt, das Wild oft anschießen, ohne zu tobten, worauf es dann später fällt oder stürzt, und in die Hände Anderer geräth oder zu Aas wird.

Erstaunenswerth sind die Geduld, Langmüthigkeit und Ruhe der In­dianer, und ihre Leidenschaften können sie vortrefflich beherrschen. Bei Unglücksfällen, dieselben mögen auch noch so unerwartet kommen, bleiben sie gesetzt und ruhig, und verändern keine Miene. Wenn sie noch so ent­setzlich gequält werden, scheinen sie dabei doch heiter zu sein.

Im Umgänge mit dem andern Geschlechte sind die Indianer anständig, gesittet und züchtig, obgleich sie, wenn sie allein sind, weniger züchtig sind, als öffentlich.

Zwischen Männern und Weibern besieht, selbst unter den rohesten Stämmen, eine ordentliche Verbindung. In Gegenden, wo an Nahrungs­mitteln Überfluß ist, herrscht Vielweiberei; da aber, wo es schwer ist, das zum Lebensunterhalte Nöthige aufzutreiben, begnügt sich der Mann mit einer Frau. Die Weiber sind die Sklavinnen ihrer Männer, haben eine große Menge Obliegenheiten, werden als Lastthiere behandelt, und sind deshalb kränkelnd und elend. Obgleich sie die härtesten und schwersten Arbeiten verrichten müssen, erhalten sie doch keinen Dank dafür. Obgleich aus den ehelichen Verbindungen der Indianer wenig Kinder hervorgehen, kömmt es doch vor, daß manche Männer deren eine beträchtliche Anzahl, von mehren Frauen, haben. Zuweilen verläßt der Vater dieselben in Zeiten der Noth, oder bringt sie um, begräbt das säugende Kind auch wohl mit der gestorbenen Mutter.