Bewohner Amerika s. Die Indianer. 35
Im Übrigen zeigen die Indianer viele Sorgfalt und Liebe für ihre Kinder, lassen dieselben, so lange sie jung sind, »ach Gefallen lebe», und es sind die Sprößlinge ihre eigenen Herren, sobald sie ihr Brod verdienen könne». Dann isi es nicht selten, daß Kinder sich ungebührlich gegen ihre Ältern benehmen.
Bei manchen Stämmen ist es Gebrauch, nicht in förmliche eheliche Verbindung zu trete», sondern ein Weib auf längere oder kürzere Zeit zu nehmen, wodurch aber für die Kinder kein Nachtheil verursacht wird. Beide Theile leben so lange miteinander, als es ihnen gefällt.
Obgleich die Beschäftigungen und Arbeiten der Indianerinnen sehr hart sind, übernehmen sie dieselben doch freiwillig, und verrichten sie freudig, lieben ihre Männer wahrhaft und sind ihnen anhänglich.
Außer daß, bei einigen Stämmen, die Braut dem Bräutigame einen Teller mit Mais überreicht, sind mit den Verbindungen keine Zeremonien und auch keine Gelübde und Versprechungen verbunden. Die Frau kann von ihrem Manne fortgehen, wenn sie will, und der Mann kann sie fortschicken, wenn es ihm beliebt. Die Frau wird gleichsam auf Probe, jedoch mit dem Vorsähe genommen, sie nicht verlassen zu wollen, wenn sie sich gut beträgt, und besonders selten wird die Frarz fortgeschickt, wenn sie Kinder hat. Da die Frau dieses weiß, ist sie ihrerseits bemüht, Alles aufzubieten, um ihres Mannes Liebe zu erhalten, und ihm zu Gefallen zu leben, besonders wenn sie gewahrt, daß ihr Mann durch Herzhaftigkeit und Stärke, und durch seine Geschicklichkeit auf der Jagd, im Stande ist, sie sowohl zu schützen, als zu ernähren.
Der Mann muß ein Wohnhaus zu bauen verstehen, die nöthigen Ge- räthschaften zum Arbeiten, ein Kanoe, Schüsseln, Näpfe und sonstige nöthige Gefäße anschaffen.
Von der Frau erhält der Mann gewöhnlich einen oder zwei Kessel und einige andere Küchengeräthe als Beibringen.
Der Mann ist das ganze Jahr mit der Jagd beschäftigt, während die Feldarbeit der Weiber höchstens sechs Wochen des Jahres dauert.
Gleich nach der Verbindung bemüht sich der junge Gatte, ohne darüber zu sprechen, durch die That zu beweisen, daß er ein geschickter Jäger und im Stande sei, seine Lebensgefährtin zu erhalten. Schon am frühesten Morgen geht er auf die Jagd, und kehrt oft schon zur Frühstückszeit mit einem Stücke Wildprät zurück.
In den weiblichen Geschäfte» und Pflichten unterweisen die Mütter ihre Töchter bald. Die Geschäfte im Hanse sind bald vollbracht. Die

