102 Bewohner Amerikas. Die Hinterivaldncr.

wegen Mangel an Zeit noch nicht weggeräumt. Man hört im Walde Äxte und Sägen, und in den Wohnungen Hämmer und Ambose ertönen; Bäcker und Fleischer, Krämer undKärner, Wirthshäuser, Reisewagen und Postkut­schen sind schnell vorhanden, und ehe man sich's versieht, sind mehre hun­dert Einwohner versammelt, von denen viele noch im Walde lagern, weil sie noch keine Hütte oder kein Haus haben. Einige wohnen in ihren Wä­gen, andere ziehen umher, und suchen Obdach, oder Arbeit. Werden nun die Ländereien verkauft, so sind gleich einige Tausend Einwohner vorhan­den, die sich ansässig machen wollen. Sobald sie von ihrem Eigenthume Besitz genommen, brechen sie die einstweilen errichteten Wohnungen ab, schaffen sie auf die Seite, und beginnen sich neuere und bessere zu bauen. Die Polizei ist sogleich besorgt, Gerichtshäuser und Gefängnisse, Kirchen und Schulen zu errichten, was alles mit ausierordentlich großer Schnellig­keit bewerkstelligt wird. Die Ortsnamen werden häufig den europäischen nachgebildet, und es kommt nicht selten vor, daß viele Orte den gleichen Namen baden, den man in Europa ein Mal oder einige Male wieder findet, so ist es denn nöthig, die Briefe sehr genau zu addressiren, damit sie nicht in eine gleichnamige Stadt gerathen. Auch nach Personennamen werden die Städte häufig genannt, wie z. B. Washington, Franklin, Kato, Zinzinnati. Doch gibt es auch Namen, welche daran erinnern, daß das Land einst von In- dianern bewohnt gewesen.

Die Hinterwal-ner.

Die Hintermaldsleute bilden eine eigene Menschenklasse in den vereinig­ten Staaten. Sie werden Backbootsmen genannt. Dieses sind Leute, welche freiwillig den Annehmlichkeiten des geselligen Lebens entsagen, auf die Vortheile des Staatenverbandes verzichten, und, aus Hang zur gesetzlosen Unqebundenheit und übertriebenen Freiheitsliebe, sich in die Urwälder der westlichen Staaten begeben haben, um daselbst ein halbwildes Leben zu füh­ren, so daß sie den Übergang von den gesitteten Einwohnern zu den wilden Indianern bilden. Die Zahl dieser freiwillig Wildwerdenden nimmt jähr­lich zu. Wenn man sich einmal westwärts vvm Wabash und Missouri befindet, verlieren sich allmählig die Zeichen von Zivilisation und Kultur, und wenn man in die düstern Wälder eindringt, nimmt Alles an Unheim- lichkeit zu. Spurlos sind die Wege; endlich gelangt man ermüdet an eine armselige Hütte eines Jägers, der sein hartes Lager und sein ärmliches Mahl gastfreundlich theilt. Ein solcher Waldmann ist abgehärtet, und bat