Bewohner Amerikas. Die Chayma-Indianer. 109
Gewöhnlich sind die Chaymas von kleinem Wüchse, im Durchschnitte 5 Fuß 2 Zoll hoch, dabei sind aber ihre Körper breit und muskelig. Ihre mattbraune Hautfarbe nähert sich dem Rothen. Ihr gesetztes Gesicht hat ein düsteres Aussehen; die hinterwärts gebogene Stirn ist klein. Die sehr langen, schwarzen Augen liegen tief in den Augenhöhlen, und die schwarzen oder dunkelbraunen Augbraunen sind dünn, und fast gerade, die Augenwimpern sind sehr lang, die Backenknochen stehen in der Regel sehr hervor, und das schlichte Haar hängt gerade herab. Sie haben fast keinen Bart, und eine ziemlich lange Rase, der Mund ist groß, die Lippen sind zwar breit, aber nicht aufgeworfen, das runde Kinn ist ungemein kurz, und die Kinnladen besitzen eine beträchtliche Stärke. Da die Chayma's weiße und gesunde Zähne haben, ist ihnen das Zahnweh fast unbekannt. Obgleich sie sehr große Füße und ungemein bewegliche Zehen haben, haben sie doch kleine zarte Hände. Sie sind einander so ähnlich, daß es unter den Erwachsenen oft schwer ist, Vater und Sohn von einander zu unterscheiden, was wohl mit daher kommen mag, daß sie nur aus ihrem Stamme heirathen. Da das Land im heißen Erdgürtel liegt, sind die Chayma's keine Freunde von Bekleidung, und es bleiben sowohl die Männer als die Weiber, aller Vorstellungen und Ermahnungen der Mönche ungeachtet, in ihren Wohnungen nackt; nur wenn sie ausgehen, tragen sie ein baumwollenes Kleid, welches bis an die Kniee reicht, und einem Rocke ähnlich ist. Bei den Männern hat dieses Kleid Ärmel, bei Weibern und Knaben nicht; diese lassen Arme und Schultern und den obern Theil der Brust bloß.
Den Mägdchen ist es gestattet, bis zum neunten Jahre nackt in die Kirche zu gehen. Obgleich dieselben etwas angenehm Melancholisches in ihrem Blicke haben, sind die Weiber doch nicht schön. Die Heirathen werden oft von sehr jungen Leuten geschloffen. Das Leben der Chayma's ist einförmig, und sehr regelmäßig. Um 7 Uhr gehen sie in's Bett, und um 472 Uhr stehen sie wieder auf. Alle Tage baden sie sich, und da sie im Ganzen nackt gehen, sind sie nicht schmutzig. Im Innern ihrer Hütten ist es sehr rein, und man bemerkt, daß ihre Geräthschaften und Waffen, sowie ihre tzängmatten sich in der größten Ordnung befinden. Außer der Hütte, welcbe sie im Dorfe haben, haben sie gewöhnlich noch eine kleinere, mit Palmen und Pisangblättern bedeckte, an einem einsamen Orte in den Wäldern, in die sich zurückziehen, so oft es nur immer möglich ist. Die Kinder ziehen oft Tage lang in den Wäldern umher, so daß man Städte oder Dörfer zuweilen ganz von ihnen verlassen findet. Auch hier wird dem

