182 Bewohner Europa'ö. Die Spanier.
ein Spanier. Wenn das gemeinste Pack sich Stunden lang mit einander zankt, kehren in allen Perioden die anständigen Redensarten: si, Sennor, und: no, Sennor, wieder; und selbst Leim Zanken bleiben die Spanier immer artig gegen einander. Gegen Fremde sind sie gleichgiltig und stolz. Bei allen Gelegenheiten tritt einem in Spanien der Vvlksstolz gegenüber, und es gibt sogar ein unverschämtes Sprüchwort, das aus der Seele des ganzen Volkes genommen ist, und heißt: wenn die Spanier sprechen, zittern alle andern Völker; so wie ein anderes Sprüchwort sagt: da, wo Madrid sich zeigt, muß die Welt schweigen, oder: nur zu Madrid ist ein .Hof. Die Spanier sind zurückhaltend und verschlossen; sie empfangen den Fremden nicht nur kalt und ernsthaft, sondern fast zurückstoßend. Des Franzosen glatte, geschmeidige Freundlich, keit, auf welche man sich doch nicht verlassen kann, die äußere Eleganz desselben kennt der Spanier nicht. Erst wenn der Spanier reiflich geprüft und überlegt hat, wird er mittheilend, bleibt aber auch dann noch immer vorsichtig. In der Unterhaltung zeigen die Spanier Geist und Scharfsinn, sie geben treffende Antworten, bringen gute Witze und vielsagende Wortspiele an der rechten Stelle an. Auch die gemeinen Leute drücken im Scherze eine Feinheit im Gebrauche ihrer Sprache aus, die man von ihrem Stande nicht erwarten sollte. Zu loben an den Spaniern ist ihre Wahrheitsliebe und ihr Worthalten, und die Kaltblütigkeit, welche sie so lange, bis ihre Ehre nicht gekränkt ist, beweisen, ist achtungswerth.
Im Essen und Trinken sind diese Menschen überaus mäßig, und die Deutschen sind in dieser Beziehung bei ihnen zum Sprüchwort geworden. Es ist ein überaus empfindliches Schimpfwort, wenn man zu Jemand Barraclio (Trunkenbold) sagt. Wer jemals einen Rausch gehabt, darf nicht vor Gericht erscheinen, und man findet Brände nur sehr selten, bei Fuhrleuten und Maulthiertreibern.
Man muß den Spaniern zugestehen, daß sie verständig, sinn- und geistreich, ernst und gesetzt in ihren Reden, und angenehm in ihrer Unterhaltung seien. Bei ihren Überlegungen sind sie besonnen, in ihren Entschlüssen langsam, ihre Unternehmungen beginnen sie feurig, und führen dieselben standhaft und unermüdlich zum Ziele. Unglück tragen sie mit Geduld.
Des Spaniers Stolz artet nicht selten in Eitelkeit und Hochmuth aus. Besonders sind die Adeligen voll Anmaßung, und vom Hochmuthsteufel besessen.
Wenn auch in den großen Städten, so wie in den öffentlichen Anstalten, Reinlichkeit herrscht, ist doch nicht zu läugnen, daß unter den untern

