Bewohner Europa s. Die Spanier. 183

Ständen große Unreinlichkeit allgemein ist, und wenn es auch in Spanien nicht so viel Flöhe, als in Italien, geben mag. ist das langsamer kriechende Gethier hier eben so häufig, als in Polen, und man kann ganze Gesell­schaften gemeinen Volkes im Schatten liegen, und sich das Ungeziefer von den Kopsen lesen sehen.

Die Spanier pflegen gute Wirthe, zuweilen sogar geizig, zu sein; wenn es sich aber darum handelt, etwas für die Kirche herzugeben, oder einen Heiligen neu aufzuputzen, so spenden sie gerne und viel. Daß die Spanier im Ganzen langsam und träge find (wenn gleich einige Provinzen hiervon eine Ausnahme machen), ist nicht zu läugnen. Der Hang zum süßen Far nienie ist über den bei weitem größten Theil des Landes verbreitet. Die Eifersucht der Spanier ist zum Sprüchwvrt geworden, und besonders wird das weibliche Geschlecht von dieser Untugend geplagt. Die Duenas sind aus der Mode gekommen, und viele Jalousien sind geöffnet.

Auch das weibliche Geschlecht hat ein ernstes, gesetztes Wesen, zeigt edlen Anstand, beträgt sich bescheiden, und ist im Umgänge ungezwungen. Ihren Gedanken auf anmuthige Weise Worte zu geben, sind sie nie ver­lege», und in ihrer Unterhaltung munter. Zu bezaubern vermag manche feurige Spanierinn mit ihren glühenden Augen und ihrer wohlklingenden, einschmeichelnden Sprache, wenn sie Verschämtheit und Leichtfertigkeit, Zu­rückhaltung und Leidenschaft vermischend, wenn auch nicht blicken, doch ahnen läßt. Die Liebe ist in Spanien tief gefühlte Leidenschaft, welche durch Innigkeit und Treue und gränzenlose Hingebung sich Achtung und Gegenliebe erwirbt, aber auch Haß erweckt, und Rache heischt, wen» der andere Theil es wagt, mit tiefen Gefühlen muthwilliges Spiel zu treiben. Die bezaubernden Eigenschaften der Spanierinnen sind leider mit Selbst­sucht und Heftigkeit vergesellschaftet, und die Herrschsucht steht den zarten Wesen übel an. Zum Arbeiten haben die spanischen Damen eben keine Lust; lieber gehen sie in die Kirchen, spielen Guitarre, sehen zum Fenster hinaus, und (was ihnen das Liebste ist) tanzen. Pracht lieben sie außer­ordentlich, und auf den Besitz von Edelsteinen legen sie sehr großen Werth. Dabei ist aber nicht zu läugnen, daß sie viel Zärtlichkeit und Sorgfalt für ihre Kinder zeigen.

Religion.

Die Spanier bekennen sich zur römisch-katholischen Kirche. Sie küm­mern sich weniger um das Innere des Glaubens, als um die äußern For­men und den Kultus. Die spanische Kirche halten sie für weit erhabener,