Bewohner Europa s. Die Spanier. 191
Getränk der Spanier ist Schokolade; diese trinken sie am Morgen, am Nachmittag, und am Abend. Wein trinken sie sehr wenig. So gut derselbe auch ist, hat er für die Auslander einen unangenehmen Beigeschmack von den Bockshäuten, in welchen er aufbewahrt und verschickt wird. In den wärmeren Gegenden trinkt man viel Eiswaffer, und in den minder heißen, und im Winter auch in den südlichen, trinkt man frisches, kühles Wasser. Nach dem Essen pflegen die Spanier alle Tage zwei bis drei Stunden zu schlafen, und man trifft daher fast Niemand auf den Straßen, wenn man zwischen zwei und fünf Uhr ausgeht. Nicht nur die Häuser, auch die Buden sind in diesen Stunden geschloffen.
Kleidung.
In Spanien gibt es sehr viele Uniformen. Die Beamteten und Angestellten bei Hofe, von den Höchsten bis zn den Niedersten herab, tragen Uniformen, mit mehr oder weniger Stickerei. Obrigkeitliche Personen, Professoren, Doktoren, Welt - und Klostergeistliche, alle erscheinen in Spanien in Uniformen. Die höheren Klassen haben schon seit geraumer Zeit die alte spanische Tracht mehr und mehr ausgegeben, und französische Kleidung angenommen. Die untern Stände aber, besonders in den Flecken und Dörfern, sind der heimischen Tracht noch treu geblieben. Sie tragen dunkelfarbige Westen, kurze Jacken, und einen Mantel darüber, und auf dem Kopfe ein Net) von Garn oder Seide (die Redezilla), welches hinten herabhängt, und in das die Haare gewickelt werden. An Statt des Netzes findet man auch häufig einen großen Hut. Die Tracht der Landleute ist nicht in allen Gegenden sich gleich, wie weiter unten, bei der Schilderung einzelner spanischer Volkszweige, nachzusehen ist.
Die Spanierinnen kleiden sich zu Hause, und wenn sie Besuche machen, auf Bälle oder in's Schauspiel gehen, französisch; gehen sie zu Fuß aus, oder in die Kirche, so tragen sie sich spanisch, haben eine Schnürbrust, und ein enges Leibchen an; ihr kurzer, wollener Unterrock, welchen sie nie im Hause tragen, die Basquinna, reicht nicht ganz bis auf die Knöchel. Wenn sie bei Bekannten einen länger» Besuch machen, legen sie dieses Kleidungsstück ab, da auch der zweite, kurze Unterrock verziert ist. An die Stelle des arabischen Schleiers ist die Mantilla getreten, welche sie auf dem Kopfe tragen. Dieselbe ist entweder weiß, oder schwarz, und fällt an den Seiten und hinten über den Gürtel herab, wird aber öfter geändert. Bei Vornehmen und Reichen ist sie von sehr feinen Spitzen, bei den untern Standen von leichtem, wollenem Zeuge, von Tafft oder Gaze.

