Bewohner Eurvpa' 6 . Bewohner Valencia's. 200

Schürze» sind von dunkler Farbe, die Halbstrümpfe bläulich, und die Schuhe aus 5>uifsdleit. Der große runde Hut wird seltener getragen, als eine rundliche lederne oder sammtene Mütze, welche Montera beißt. Um den Leib trägt man eine rothe Binde. An Statt des Mantels bedient man sich eines Stückes groben, wollenen, buntgestreiften Zeuges, welches unge­fähr ? Fuß lang und 2 Fuß breit ist, und gewöhnlich über eine Schulter geworfen wird. Die Bürger tragen zuweilen den Mantel (capa), welcher in den übrigen Provinzen üblich ist. Derselbe ist meistens aus Tuch, hat bei den höheren Ständen bunte Farben, und ist bei den gemeinen Leuten braun. In den großen Städten Spaniens trägt man diesen Mantel nur im Winter, um sich gegen die Kälte zu schützen. Reiche Leute tragen auch im Sommer, vorzugsweise nur als Putzstück, Mäntel von Tafft.

Da die Geistlichkeit in so großer Achtung steht, und so großen Einfluß auf das Volk übt, findet man oft, daß ganz kleine Kinder Mönchstrachten anhaben, nnd man kann solche Kleinen sehen, welche schon in Kapuziner­kleidung, oder in Franziskanerkleidung, mit geschorenem Kopfe erscheinen, wenn sie kaum gehen und lallen können. Die Röcke und Schnürleiber der Weiber sind von Kattun und mit breiten Bändern eingefaßt. Ihre Haare wickeln sie gewöhnlich rund um den Kopf zusammen. Um den Hals tragen sie eine Schnur von blauen Perlen, an welcher Goldstücke und sonstige Zierrathen hangen.

Hochzeiten.

Wenn Jüngling und Jungfrau mit einander einig geworden, sich zu heirathen, Freude und Leid, und was der Himmel über sie verhängt, mit einander theilen zu wollen, wenn die Ältern ihre Einwilligung zu dem zu schließenden Bunde gegeben, so bleibt noch übrig, die alten feierlichen Ge­bräuche, welche aus der Vorältern ferner Zeit stammen, zu erfüllen.

Ein Stegreifdichter, welcher bei dem Volke in Achtung steht, und dessen man sich zum Hochzeitbitter bedient, Trovddor genannt, begleitet den Freier und dessen Kameraden vor das mit Blumen geschmückte Haus der Geliebten. Fackelträger, Musikanten begleiten die Kommenden, damit die feierliche Handlung dadurch erhöht werde. Mit dem Bräutigam tritt der Trovador vor, und beginnt in dessen Namen den Brautgesang, schildert die Reize der Geliebten mit den glühendsten Farben, erhebt ihre Schönheit, und rühmt ihren Karakter in blumen- und bilderreichen Vergleichungen, worauf er am Schlüsse der vielen Worte kurzen Sinn in wenige Worte zusammen­faßt. Hat der Trovador geendet, so klopft der Bräutigam an die Thür, K. F. V. Hoffmann's Völkerkunde. II. 14