212 Bewohner Europa's. Bewohner von Murcin.

Gesellschaft für sich hin. Von allen Städten des Landes macht Karta- gena die einzige rühmliche Ausnahme, so das; man sich daselbst in einem ganz andern Lande zu befinden meint. Das kömmt aber daher, weil der größte Theil der Bewohner aus Franzosen, Jtaliern und Engländern besteht.

Die Murcianer sind mehr gelb und bleifarbig, als von der Sonne ver­brannt, von finsterem, traurigem, jähzornigem Wesen, und leiden häufig an Leberkrankheiteu, welche durch die schlechte Nahrung, die vielen Pfeffe- roni, und den unmäßigen Gebrauch des Eiswasscrs befördert werden. Auf das Eiswasser ist man so erpicht, daß mi ein Aufstand ausbrach, weil es einen halben Tag an Eis fehlte.

DaS Aderlässen ist hier sehr an der Tagesordnung, und es ist nicht viel, wenn man sich jährlich nur ein dutzend Mal zur Ader läßt; weßhalb man sehr oft Handwerker und Tagelöhner mit verbundenen Händen sieht, und die Frauen zu Hause und in den Kirchen mit schwarzen Binden trifft. Am Arme läßt man hier nicht, sondern stets an der Hand zur Ader. Das Aderlässen hilft gegen Alles. Wer an Schlaflosigkeit oder an Schlafsucht leidet, Kopfweh oder Fußschmerzen, Fieber oder Wassersucht hat, muß zur Ader lassen. Obgleich es an gutem Weine nicht fehlt, trinken Murcia's Bewohner doch Wasser.

Kleidung.

Aus Sparsamkeit findet man bei Murcia's Bewohnern weder in Mö­beln, noch in Kleidung Luxus. Ihre Basquina ist aus Wollenzeug, die Mantillen sind plump und schwer, die Redezillas glatt und einfach. Die schönen schwarzen Haare des weiblichen Geschlechtes werden nicht verziert. Dagegen haben sie außerordentlich große Rosenkränze, welche bis auf die Erde herabhangen, und deren Kugeln sehr groß sind. Diese tragen sie auch, wenn sie nicht in die Kirche gehen. In den Städten haben die Männer der untern Vvlksklaffen große runde Hüte, schwarze Haarnetze, schwarze Jacken, und weite braune, oder schwarze Mantel. Beamtete und Kaufleute kleiden sich nach französischer Mode. Gewöhnlich ist die Kleidung der Adeligen einfach, oft so wie die des gemeinen Mannes, nur feiner. Im Sommer ist der Mantel aus Seide, im Winter aus feinem Tuche. Bei feierlichen Gelegenheiten aber erscheinen die Adeligen in sehr reich bordirter französischer Tracht. Die Landleute tragen über dem Netze lederne Mühen, welche viel Ähnlichkeit mit dreieckigen Hüten haben. Die Beinkleider sind kurz, unten offen und sehr weit. Die Füße werden, mit Ausnahme der