Bewohner Enropa's. Bewohner von Murcia. 211
von Orangen und Rosen umduftet, das Brautbett steht. Dabei ist zu bemerken, daß in Valencia die Hochzeiten meist im Mai und Juni gefeiert werden. Zum Frühstücke kommen die Gaste wieder und neue Belustigungen beginnen.
Dewohner von Murcia.
Murcia's Bewohner hängen auf das Festeste an ihren Familien, und an ihrer Heimath, sind Freunde vom Schmausen, und dem Müßiggänge ergeben, und halten ihre Zigarren, ihren Tisch und ihr Bett für das Höchste. Jeden Nachmittag werden, regelmäßig, mehre Stunden verschlafen, und täglich ißt man richtig fünf Mal. Zwei Mal frühstückt man, zuerst Schokolade, dann Pfefferoni; darauf ißt man, dann trinkt man Schokolade, und zum Schlüsse folgt das Abendbrod. In der Zwischenzeit wird der Zigarro geraucht, und zwar mit solchem Ernste, daß man sich um nichts kümmert, was um einen vorgeht. Kein anderes Buch, als das Gebetbuch, wird zur Unterhaltung in die Hand genommen. So leben Künstler und Gewerbs- leute. Man geht spät zur Arbeit, und hört frühe wieder auf, um nicht zu viel zu thun, und befleißigt sich der größtmöglichsten Langsamkeit. Wird ein Arbeitender um etwas gefragt, so legt er zuerst die Arbeit weg, antwortet, und zündet, ehe er die Arbeit wieder zur Hand nimmt, vorher seinen Zigarro an. Hat der Arbeiter etwas zu fragen, so macht er es eben so, und wenn man die so verlorene Zeit in Abzug bringt, bleibt nur ein Bierttheil der Arbeitsstunden übrig. Landleute und Tagelöhner arbeiten nicht fleißiger, schlafen eben so oft, und lange, essen aber öfter, doch einfachere Speisen. Die Frauen leisten ihren Männern hierin Gesellschaft, und es gehört zu den Seltenheiten, eine Nähnadel in ihren Händen zu sehe». Die untersten BolkSklaffen finden am Müßiggänge ein so großes Behagen, daß die Mägdchen häufig mit dem Eintritte der schönen Jahreszeit ihren Dienst verlassen, da sie für eine Kleinigkeit ihren täglichen Unterhalt, der aus Früchten, Melonen, Salat u. s. w. besteht, erhalten können. Sie sagen es laut, daß es eine Thorheit sei, sich mit Arbeiten zu plagen, wenn man hinreichend zu essen habe.
Da der Tanz Anstrengung, und das Musikmachen einige Mühe kostet, liebt Murcia's Bewohner beides nicht, sondern lebt, ohne Unterhaltung und
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