Bewohner Europa's. Bewohner der Insel Sardinien. 239

Pewohner -er Insel Sardinien.

Die Sardinier sind kleiner, als die Bewohner des benachbarten Fest­landes, obgleich es, ausnahmsweise, auch Menschen von mittler Größe, und, wenn auch selten, sogar einige groß zu nennende gibt. Der leichte wohlgestaltete Körper ist von sehr feinem Wüchse, die starken Beine sind gerade, die Hautfarbe ist etwas bronzefarbig, die Gesichtsbildung geistreich, die Haare sind schwarz, und in den Bewegungen und Gebärden gewahrt man viel Lebhaftigkeit und Gewandtheit.

Obgleich der Karakter beider Geschlechter auf Sardinien in den einzel- nen Theilen der Insel von einander abweicht, ist er doch an den beiden entgegengesetzten Enden am verschiedensten. Die Bewohner des südlichsten Theiles sind dunkelfarbiger, ihre Gesichter runder, die Augenknochen her­vorstehender, während man in der Gegend von Saffari längere Gesichter mit mehr Habichtsnasen trifft.

Die sardinischen Frauen haben einen sehr feinen Wuchs, etwas ge­bräunte Hautfarbe, und große schwarze Augen. Sie bekommen viele Kin­der und behalten ihre Frische lange. Sehr selten findet man auf Sardinien mißgestaltete Menschen, und wenn man deren antrifft, so ist es in den Städten allgemein, und hauptsächlich auf dem Lande, selbst in den Gegen­den, welche als ungesund verrufen find, trifft man ein gesundes Aussehen. Auf dem Lande und in den Städten fleht man nicht selten achtzigjährige Leute ohne Stock gehen.

Gegen Fremde sind die Sardinier, aus Liebe zur eigene» Heimat, oft ungerecht. Da fle mit viel Geist begabt sind, hält man sie gewöhnlich für die schönen Wissenschaften geeigneter, als für die strengen. In Folge ihrer Armuth, ihrer gedrückten Verhältnisse und ihrer Lebhaftigkeit des Geistes, sind sie schlau und hinterlistig.

Von Natur sind die Sarden gastfrei, und nach Laune, stoßweise auch arbeitsam. Jagd, Tanz und Tafelfreuden sind ihre größten Vergnügungen. In ihrer Kleidung lieben sie Luxus, wissen nicht, was Schätze sammeln heißt, und kümmern sich nicht um die Zukunft.

Obgleich ihre Frömmigkeit sich, wie in Spanien, unter vielem Gepränge sehen läßt, ist sie Trotz dem doch aufrichtig.

In Haß und Leidenschaften gleich beständig, trennen sie sich selten von der Person, mit welcher sie durch eheliche Bande verknüpft sind, würden es aber nie vergeben, wenn dieselbe ihre Ehre auf das Mindeste befleckte, und