278 Bewohner Europa's. Die jetzigen Römer.

Betheiligten beschäftigt, welche die Zahlen an einander Hinschreien, sondern auch eine große Menge Zuschauer, welche umherstehen, und erwartungsvoll beobachten, ob die hervorgebrüllten Zahlen stimmen oder nicht. Dieses Spiel wird vom nördlichsten bis zum südlichsten Theile der Halbinsel auf das Leidenschaftlichste getrieben, und so lange und so laut, daß die Wett­kämpfer oft ganz heiser davon werden.

Wenn gleich auch die Römer, wie die Jtalier überhaupt, etwas Zurück­haltendes haben, können,ste doch bei manchen Gelegenheiten ihre südliche Natur nicht verleugnen. Wenn sie z. B. etwas ausschrcien, begleiten sie das zu Verkaufende mit einer kleinen Lobrede, z. B.: ach, welche saftigen Zitronen! Ach, wie vortreffliche frische Feigen! u. s. >v.

Die Bettler in Rom bieten ebenfalls viel Stoff zu Bemerkungen, und wenden fast alle nur denkbaren Mittel an, um Mitleid zu gewinnen. Dem Ansehen nach ganz anständige Frauen knieen schwarz gekleidet, in undurch­sichtigen Schleier gehüllt, mit gefalteten Händen, lautlos und wartend, bis sich ihrer eine mitleidige Seele erbarmt. Blinde schütteln blos ihre klappernde Büchse. Dritte suchen das Herz durch Wimmern zu rühren, und liegen beinahe nackend in den schmutzigsten nassen Winkeln der Straße, schlagen kein Auge auf, wenn auch Frost, Hunger und Krankheit ihre Glieder schütteln. Alle Fußgänger gehen deßhalb ruhig ihren Geschäften »ach, weil sie entweder an den Anblick gewöhnt sind, oder Betrügereien darunter versteckt glauben. Eine Mutter kniect über ihre hilflosen Kleinen, welche vor Krankheit und Hunger blaß zu ihren Füßen schlafen, streckt ihre Arme aus, und ruft mit herzzerreißenden Gebärden die Vorbeigehen­den an: ach, selige Kristen, gebt mir um der Liebe Gottes willen ein kleines Almosen! Bei der heiligen Jungfrau, vergesset die Armen nicht, denn heute ist der Tag des heiligen Gregorius! O, ihr glücklichen Krea­turen, seht einmal diese armen Kinder an, welche vor Hunger sterben müssen! Ach, ihr Seelen Gottes, reicht doch einem armen Mütterchen eine Kleinigkeit! Die heilige Jungfrau von Loretto, und der heilige Antonios von Padua werden euch dafür von allem Übel erlösen. Wenn in der Kirche etwas Bedeutendes zu sehen ist, wenn z. B. das Allerheiligste ausgestellt ist, so versammeln sie sich haufenweise, und es kommen Blinde und Lahme und Krüppel zusammen, und klappern und schreien so bunt durch ein­ander, wie eine Herde Schafe.

Die Bettler dürfen in Folge eines päbstlichen Befehles von den Auf­wärtern nicht zu den Kaffeehäusern hinausgetriebcn werden, weßhalb die Reisenden sich kaum dagegen zu schützen wissen. Unter diesem Bettelvvlke