Bewohner Europa s. Die jetzigen Römer. 281

mehr, als anderswo. Die jungen Mägbchen lernen nicht einmal ein Bis­chen Guitarre spielen. Ihre eigenen ausgezeichnetsten Dichter kennen sie nicht einmal, aber doch findet man selten ein Frauenzimmer, welches sich ungeschickt ausdrückte, oder gar albern spräche. Auch bei den Niedern findet man scherzende Laune und schalkhaften Witz.

Die Charwoche in Rom.

Am Palmsonntags werden auf dem Quirinale oder Monte Cavallo, in der Kapelle des Pabstes, die Palmen ausgetheilt. Wägen voll Kardinäle und Prälaten, mit fünf bis sechs Dienern besetzt, raffeln in den Palast hinein, und die päbstlichen Soldaten, welche die Hauptwache haben, müssen das Gewehr präsentiren, wenn ein Kardinal vvrüberfährt. Die päbstliche Kapelle ist schön und einfach verziert, und durch eine Barriere, an welcher die Schweizer Wache halten, in zwei Theile getheilt, so das; in den innern Theil, in welchem der Pabst sitzt, nur Leute im Fracke, ohne Hut, Stock und Handschuh gelangen können. Auf dem Throne, welcher im Innern der Kapelle errichtet ist, sitzt der Pabst mit einer silbernen Mütze. Rechts und links vom Pabste sitzen, in langer Reihe, die Kardinäle, Ordens­generale und Patriarchen. Den Thron umringen dienende Prälaten. Die päbstliche Kapelle musizirt. Dann kommen alle Geistliche nach der Reihe, und zuletzt sogar die Sänger, knieen vor seiner Heiligkeit nieder, und empfangen aus der Hand des Diakonus die Palmen, welche auf hohe Stäbe gebunden sind. Darauf reihen sie sich zu einem Prozessionszuge, bei wel­chem der Pabst, hoch auf einem runden Lehnstuhle sitzend, mit herum­getragen wird.

An der Mittwoche vor dem grünen Donnerstage zieht der Pabst feier­lich in den Vatikan, um die Funktionen der drei nächsten Tage zu verrich­ten, und nimmt für diese Tage Besitz von dieser Residenz. Offiziere und Diener liegen, bei seiner Ankunft, auf den Knieen. Am Nachmittage ver­sammeln sich Einheimische und Fremde in der sixtinischen Kapelle, um den berühmten Gesang zu hören. Die Kardinäle haben ihre abiti paonazzi (violette Kleider) an, deren lange Schleppen zu tragen, die Schleppenträger vollauf zu thun haben. Wenn sich alle Sitze, wie am Palmsonntage, gefüllt haben, werden die Lichter angezündet. Wenn das Zeichen zum An­fange gegeben ist, beginnen die Psalmen, deren man etwa dreizehn, nach der Weise des gregorianischen Gesanges, singt, den die Jtalier Canio fermo nennen. Bei jedem der Psalmen löscht man eines der dreizehn piramiden-