281 Bewohner Eurvpa's. Die jetzigen Römer.

förmig aufgestellten Lichter aus, wie es auch in manchen katholischen Kirchen Deutschlands geschieht. Dann klagen Engelsstimmen über den Tod Jesu Kristi in so wehmuthsvollen Tönen, daß selbst ein eisernes Gemüth in Bangigkeit und Ahnung zerfließen würde. Oft tont eine Stimme erschüt­ternd in Nachtigalmelodieen, und man Hort die Mutter Maria unter dem Kreuze um ihr Kind jammern. Die Lichter erlöschen, nur eines, die wach­same Mutterliebe der Madonna, brennt noch. Man intonirt zum Miserere, die himmlischen Sänger einigen ihre Stimmen. Endlich erlöscht auch das letzte Licht, und alles ist in Dämmerung versenkt; nur die Gestalten der Kardinäle und weißen Prälaten, welche unbeweglich, wie Bildsäulen, sitzen, leuchten durch das Dunkel. Alle Sinne vergehen, die Seele kann nur Töne auffassen. In diesem Augenblicke erhebt das Chor der unsichtbaren Sänger seine kraftvolle, durchdringende, wie Metallglocken reine Stimme: Herr, erbarme dich unser." Banges Sehnen bestürmt das Herz.

Am grünen Donnerstage ist im Batikane die Lavanda oder das feierliche Fußwaschen. Das Gedränge am Eingänge des Saales, in welchem diese Zeremonie verrichtet wird, ist außerordentlich groß, und es wird ein jeder, der nicht sehr fein angekleidet ist, von den groben Schweizersoldaten zurückgedrängt. Selbst hohe Personen schmeicheln diesen groben Lümmeln, die durch Geld nicht zn bestechen sind, und richtig das thun, was ihnen befohlen worden ist. Wenn man sich nach vielen Stößen in den Saal hin­eingedrängt und gearbeitet hat, so sind noch zwei Schranken zu über­schreiten, durch welche nur immer Feinere eingelassen, und so die Zuschauer nach vorn hin immer feiner und feiner ausgesucht werden. Bor einer herrlichen brabantischen Tapete, die das Abendmahl des Leonardo da Vinci vorstellt, sitzen zwölf weißgekleidete Männer mit weißen Mützen, als ob sie zum Auto da Fe bestimmt wären. Diese werden aus den vielen Pilgrimmen, welche von allen Enden der Kristenheit zur Zeit des Osterfestes sich am Grabe St. Peters einfindcn, zu dem Glücke auserwählt, sich vom heiligen Vater, oder dessen Stellvertreter, die Füße waschen zu lassen. Vor der Charwoche sieht man sie mit breitkrämpigen Hüten, langen Stäben, Wachs­tuchkragen, eine Neiseflasche am Gürtel, die Mildthätigkeit der Kristen an­sprechen. Endlich ertönt der Gesang, und der Pabst, oder der vertretende Kardinal, verrichtet die Feierlichkeit; begleitende Prälaten reichen jedem Pilgrimme eine Goldmünze und einen Blumenstrauß. Wenn das Fußwaschen beendigt ist, eilt Alles, so schnell als möglich den Saal zu erreichen, in welchem die Pilgrimme gespeist, und vom Pabste, den Kardinälen und Prä­laten bedient werden. Da auch hier die Thüren von Schweizern besetzt