324 Bewohner Europas. Die Montenegriner.
Todesfälle, so gehen sie, einer hinter dem andern, die abwärts gekehrte Flinte auf der Schulter. Einer von ihnen, welcher dazu ausgewählt wird, wehklagt laut. Kommen sie aber in die Nähe des Trauerhaufes oder Be- gräbnißplatzes, so fangen sie alle an, zu laufen, halten nicht mehr Reihe und Ordnung, und fangen ein lautes Klagegeschrei an. Manche zerkratzen sich auch als Trauerzeichen das Gesicht so, das; das Blut herauslauft, und waschen dasselbe wochenlang nicht ab, damit man ihre Trauer am Gesichte sehen könne. Mindestens dauert die Trauer ein Jahr, und während der ganzen Zeit singt und tanzt der Trauernde nicht. Die Männer scheeren sich oft Monate lang den Bart nicht; die Frauen schneiden entweder die die Haare ab, oder gehen in bloßem Kopfe.
Wenn man in Montenegro wehklagen hört, fragt man sogleich: „Von wem?" (nämlich ist er erschlagen). So sehr hat man sich an das Ermorden gewöhnt. Ist der Todte natürlichen Todes gestorben, so heißt es: „Von Gott, dem alten Mörder."
Kleidung.
Die Montenegriner tragen einen engen, bis an das Knie reichenden Rock ohne Ärmel, aus grobem, weißem Tuche, welches sie selbst machen. Der Rock ist nicht zum Zuknöpfen, sondern ist gewöhnlich zu eng. Die Hosen sind ziemlich weit, und fallen bis um die Kniee herab. An der österreichischen Gränze sind sie von ordinärem blauem Halbtuche, welches in Ragusa gemacht, und Rasch« genannt wird. Weiter im Lande sind sie von gröberem, weißem Zeuge. Die Kamaschen, welche den Fuß vom Knöchel bis zum Knie bedecken, heißen Dokoljenice, und sind mit dem Rocke aus gleichem Tuche. Unter dem Knie bindet man die Kamaschen und macht sie hinten mit Haken und Öhsen (Hafteln, Mönch und Nonne, Männchen und Weibchen) zu. Die kurzen, weißen Strümpfe sind von Schafwolle, heißen Opanken, und sind so kurz, daß sie kaum über die Kamaschen reichen. Die Sohlen, aus Rindsleder, werden mit geschnittenen und gedrehten Riemen, aus Schaf- oder Ziegenleder, an den Fuß angebunden. Die rothtuchene Mühe ist aufwärts umgeschlagen, und der Umschlag ist mit Kannevas oder schwarzem Tastet gefüttert, so lange sie neu ist. Wenn aber das Futter zerrissen, und die Mütze abgetragen ist, setzt man sie ohne Futter auf, und sie sieht dann ganz roth aus. Zwischen dem Umschlage und der Mütze verwahrt man, wie in einer Tasche, allerlei kleine Gegenstände, z. B. Geld, und steckt im Kriege, rund herum, Patronen hinein, damit man dieselben sogleich zum Laden bereit hat. Viele tragen

