338 Bewohner Europa s. Die Morlacke».
Heilmittel.
Ärzte gibt es bei denMorlacken nicht. Stößt ihnen einmal eine hitzige Krankheit zu, die sie sich beim Tanze geholt haben, so suchen sie sich selbst zu helfen. Sie nehmen einen tüchtigen Schluck Rakia, und wenn das nicht helfen will, bereiten sie sich eine Mixtur aus Rakia, Pfeffer und Schießpulver. Ist es im Winter, so decke» sie sich dann gut zu; ist es im Sommer, so legen sie sich auf den Rücken in die Sonne, um die Krankheit auszuschwitzen. Um das dreitägige Fieber zu vertreiben, haben sie eine Heilmethode, die häufig hilft- Den ersten und zweiten Tag trinken sie ein Glas Wein, in das zu verschiedenen Stunden ein wenig Pfeffer geworfen worden ist. Den dritten und vierten Tag verdoppeln sie die Gabe, und das hilft häufig. Verstopfung heilen sie dadurch, daß sie dem Kranken einen großen glatten Stein auf den Unterleib legen. Schnupfen und Husten vertreiben sie durch heftiges Reiben, und bearbeiten den Rücken des Kranken so, daß er nicht nur braun und blau, sondern auch hin und wieder von oben bis unten ein Bischen geschunden wird. Ist durch längeres Fieber die Eßlust verloren, so trinken sie viel Essig. Das letzte aller Mittel, das aber nur angewendet wird, wenn nichts mehr anschlagen will, ist, daß sie dem Sterbenden ein Stückchen Zucker, wenn solcher zu bekommen ist, in den Mund stecken, um ihm den Tod zu versüßen. Blutegel werden ebenfalls öfters gebraucht, besonders wenn Körpertheile entzündet sind. Verrenkte und gebrochene Gliedmaßen verstehen die Morlacken gut wieder in Ordnung zu bringen und zu heilen.
Hochzeiten.
Auch hier pflegen, wie es häufig der Fall ist, die Heirathen durch die Ältern oder Verwandten der Personen, welche künftig mit einander leben sollen, geschlossen zu werden; und es kommt häufig vor, daß die zukünftigen Eheleute meilenweit von einander entfernt wohnen, und sich noch nie früher, ehe man ihnen angezeigt, daß sie sich verehelichen werden, gesehen haben. Der Vater, oder ein älterer Verwandter des Bräutigams, kommt alsdann, um sich um die Braut zu bewerben. Da es sich gewöhnlich nur darum handelt, mit entfernten mächtigen Familien in Verbindung zu kommen, ist die zu wählende Person oft noch gar nicht vorher bestimmt, und es kommt oft nur darauf an, welche Person noch nicht verlobt ist. Sind noch mehre heirathsfähige Töchter im Hause, so pflegt man die erstgeborne nie zu übergehen, und um diese zu werben. Es kommt nicht oft vor, daß

