35 S Bewohner Eurvpa'ö. Die Griechen.

scheinbare Dummköpfe, arglistiger Weise, desto besser betrügen zu können. In ihren Unternehmungen find sie sehr vorsichtig, und lassen sich durch ihre Habsucht nicht hinreißen, etwas zu beginnen, wenn sie über den Ausgang keine Gewißheit haben. Treulos und feig, handeln sie im Finstern. Nur um Beute zu erhalten, schlagen sie sich. Mitten zwischen Felsen verschanzt, oder tief in einem Hinterhalte, wo sie den Rücken frei glauben, lagern sie. Hart gegen das andere Geschlecht, sind sie rauh und roh gegen ihre Mit­menschen, und als Seeräuber nicht menschlicher, als Nordafrika's Kor- saren.

Im Gebrauche der Waffen, besonders im Schießen, welches auch die Frauen lernen, sind sie, von Kindheit an, geübt, und der kriegerische Geist geht auch auf das weibliche Geschlecht über, das nicht weniger tapfer und verwegen, als das männliche, ficht, und gleiche Wuth und Grausamkeit aufbietet. Das weibliche Geschlecht hat bei den Mainoten mehr Freiheit, als bei den anderen Griechen, ist sittlicher und treuer. Wo männliche Nachkommen fehlen, da erben die Töchter die Güter des Vaters, und die Herrschaften oder Kapitänschaften. Auf den Dörfern bearbeiten die Weiber die Felder.

Die Mainoten bekennen sich zur griechischen Kirche, doch besteht ihre Religion nur in Andachtsübungen und Aberglauben. Ihre Popen sind zu unwissend, um sie belehren zu können. Kleine Kirchen haben sie in Menge, und besuchen dieselben auch dann, wenn sie von einem Raube kommen. Die sämmtlichen Kapellen sind dem heiligen Elias geweiht.

'Eine Menge Heilige werden von den Bewohnern derMaina angebetet, was ihnen aber von ihrer Barbarei nichts nimmt. Dabei glauben sie an Zauberei und Amulete. Wenn man gegen die Mainoten zu Felde zieht, fliehen sie in die Gebirge, deren Schlupfwinkel sie alle kennen, und reiben ihre Verfolger im kleinen Kriege auf. In den Schluchten und Buchten ihrer zerrissenen Küsten haben ste viele Fahrzeuge, von denen eines mit 12 bis 20 Leuten bemannt wird. Sie lagern, lauernd, auf Raub, und, wenn sich ihnen Aussicht auf Beute bietet, laufen sie mit den kleinen Fahr­zeugen in die offene See auf Raub aus. Wer sich, ohne Bedeckung, an diese Küsten wagt, fällt in die Hände dieser Räuber.

Die Maina ist bis auf den heutigen Tag ungefähr das, nur in kleine­rem Stile, was der größere Theil der europäischen Länder im Mittelalter war. Das Land steht nämlich unter einem Vereine von kleinen Häupt­lingen, welche sich in ihren festen Schlössern verschanzen, wenn ihre Unab­hängigkeit bedroht wird, für dieselbe kämpfen, ihre Vasallen haben, und