an Verstand noch an Herz- und wenn sie einerseits auch roh, ungeschliffen, träge und habsüchtig sind, so sind sie anderseits mäßig, einfach, gerade und dankbar. Sie haben seit langer Zeit sich gewohnt, sich als Herren des Landes und Erwählte, höher als Andere Stehende, zu betrachten: und so kann man es ihnen nicht ganz verargen, wenn sie etwas Herrschsüchtiges angenommen und behalten haben.

Die Turkomanen, oder Truchmaue», Truchmencn.

Die Turkmanen, oder Turkmenen, auch Turkomanen und Turkomenen, sind im ersten Theile S. 47 und S. 231 bereits geschildert, und wohne», mit den Osmanen durch Sprache, Glauben und Sitten verbunden, in ge­ringer Anzahl in der europäischen Türkei, da der bei weitem größte Theil von ihnen in Kleinasien lebt. Ebenso sind auch Tataren, Araber und Kur­den in der europäischen Türkei seltene einzelne Erscheinungen, viel häufiger dagegen, als Kaufleute und Handwerker, die Armenier. Juden leben eben­falls unter den Türken. Die Staatsverfaffung des türkischen Reiches hat in den letzten zwei Iahrzehnden sehr viele Abänderungen erfahren, und es ist von oben herab versucht morden, die Bewohner des europäischen Reiches mit den Bewohnern des übrigen Europa's mehr in Einklang zu bringe». Doch ist Vieles von dem früher Bestandenen nicht geändert wor­den. So enthält noch jetzt jedes türkische Haus ein Frauengemach, Ha­rem (d. i. verbotener Ort) genannt, welches vom Begrüßungszimmer der Männer (Sclamlik genannt) scharf gesondert ist, und auch beim Ober­haupte des Staates, dem Sultane, ist der Hofstaat in den des Serai, d. i. des äußern im weitesten Sinne, und in den des Harems, d.i. des innern, im engsten Sinne, strenge geschieden, und selbst alle Ausdrücke, mit welchen die einzelnen Zweige der Staatsverwaltung bezeichnet sind, entsprechen ihrer Bestimmung. Den Eingang der hohen Pforte bilden die Ministerien des Innern und des Äußern, und die vollziehende Staatsgewalt. Dann folgt die Kammer mit ihren verschiedenen Abtheilungen, wo die Kleinodien des

Bewohner Europa's. Die Türken.

Hauses von Gold und Silber aufbewahrt werden. Weiter im Innern be­findet sich der Herd, den von langen Zeiten her die meisten Völker heilig gehalten haben, welcher den Osmanen als das Sinnbild der streitbaren Macht des Reiches, und der Gastfreiheit und häuslichen Wirthschaft gilt. Die höchsten Würden des Altars und des Gesetzes sind die Ulema's, wel­chen der Ehrenplatz des Shader's (Sofa's) gebührt, weßhalb auch die höch­sten Ehrenstellen mit diesem Worte bezeichnet werden.