selbst in fünf Klaffen getheilt. Diese Klassen sind: a) Kabinen, b)Gedekli's, c) Usta's, d) Schahgirden, und e) Djarye's.

a. Die Kabinen. Der Name Kabine ist aus dem Worte Khadun, was Dame heißt, entstanden. Die Kabinen haben mit den Sultaninnen (den wirklichen Frauen des Herrschers) gleiche Auszeichnung, ohne dem strengen Sinne des Gesetzes nach seine Frauen zu sein. Gewöhnlich sind ihrer Vier, weil man nach dem Koran in der Regel nur vier Ehefrauen zugleich haben soll. An dieser Regel haben die Sultane nicht immer fest gehalten, indem manche deren mehr hatten. Je nachdem diese Damen auf­genommen worden, erhalten sie die Benennung erste, zweite oder vierte

262 Bewohner Europa's. Die Türken.

Der Sultan, seine Familie und sein Hofstaat.

Im Sultan ist die oberste geistliche und weltliche Macht vereinigt. Diese höchste Wurde des türkischen Reiches geht häufig, aber nicht immer, auf den erstgeborenen Sohn über; auch haben die verschiedenen Brüder nicht immer gleiche Mütter, indem die Sultane nicht eigentlich verheira- thet, sondern der Harem des Oberhauptes mit Sklavinnen angefüllt ist, von welchen die meisten für Rechnung des Großherrn gekauft, manche aber auch von den Großen des Reiches und den Prinzessinnen geschenkt werden. Die Statthalter der Provinzen suchen sich durch Übersendung der schönsten Blüten des weiblichen Geschlechtes bei dem Großherrn entweder in Gunst zu erhalten, oder sich in Gunst zu sehen. Diese Sklavinnen werden von der frühesten Kindheit an erzogen, und wenn sie 10 oder 12 Jahre alt sind, auf das Prächtigste geschmückt, in das Serail (eigentlich Sera!) des Sultans gesendet. Die gekauften Sklavinnen erhalten nur die untersten Stellen im Harem, müs­sen aber doch ohne irgend einen körperlichen Fehler sein. Die neu aufgenom­menen Sklavinnen sind noch halbe Kinder, und erhalten Lehrerinnen, die ihnen Unterricht in der Religion, im Lesen und Schreiben, im Nähen und Sticken, in Musik und Tanz ertheilen. Ist der Unterricht beendigt, und sind sie erwachsen, so treten sie den Dienst im Harem an, und werden da­

Kabine. Wenn eine Kabine einen Sohn erhält, bekommt sie den Titel Cbasseki-Sultane, wenn sie eine Prinzessinn bekommt, erhält sie den Titel Chasseki-Ka di ne. Wenn eine Sklavinn nach dem Willen des Sultans zum Rang einer Kabine erhoben wird, führt die Oberhofmeisterinn des Harems sie in die Gemächer des Sultans, bekleidet sie mit einem Zobel­pelze, und die Begünstigte küßt das Kleid ihres Gebieters, der sie dann neben sich niedersitzen läßt, ihr am gleichen Tage eine abgesonderte Woh­nung anweist, und bestimmte Sklavinnen zur Bedienung gibt, so wie auch