Für die Austheilung der Ehrenkleider, welche auf Persisch: Kaftan, auf Türkisch: Chalaat, heißen, ist ein eigener Beamteter angestellt. Solche Kleider erhalten diejenigen, welche zur Audienz bei dem Wesier und dem Sultane eingeführt werden.

Der Kanzleidienst bei der Pforte ist ungemein strcng, und an Kanzleien und Kabinetten ist kein Mangel. Eine Stunde nach Sonnenaufgang kom­men die Beamteten in den Palast des Wesiers, wo sie bis eine Stunde vor Sonnenuntergang bleiben. Sie dürfen keinen Tag im Jahre fehlen, und können nur an fünf Tagen des Jahres gegen Mittag den Palast verlassen.

Die Ulema's.

Die Ulema's sind die Rechts- und Gottesgelehrten, und bilden somit den Stand der Gelehrten. Zu ihnen gehören die Kadi, oder Richter, die Mufti, oderGesehgelehrten, welche um Rath gefragt werden, dieJmame (die Religionsdiener), die Emire und die Derwische. Diese Ulema's sind sehr mächtig, so daß selbst die höchsten Behörden es vermeiden, ihnen Widerpart zu halten.

Der Mufti der Hauptstadt, oder der Scheich des Islams, der Be­rather der Menschen ist in Beziehung auf Religion das, was in Beziehung auf weltliche Macht der Großwesier ist, und wird vom Sultan Lehrer (Chvdscha) genannt. Seine priesterlichen Verrichtungen übt er nur in der Nähe der Person des Sultans aus. Als oberster Richter hat er keine

370 Bewohner Europa s. Die Türken.

nopel von Amtes wegen bewohnt, ist der Mittelpunkt von allen Geschäf­ten des Reiches. Zunächst unter dem Wesier stehen die verschiedenen Minister.

Die Dolmetscher bei der Pforte, durch welche man mit den fremden Gesandten verkehrt, heißen Dragoman's, und sind häufig aus vornehmen griechischen Familien.

entscheidende, sondern nur berathende Stimme. Wenn in Beziehung auf Gesetze irgend ein Zweifel obwaltet, so kann er denselben lösen, und hat deßhalb großen Einfluß auf die Angelegenheiten des Reiches. Sultan und Großwesier besuchen den Mufti, der immer mit einem ansehnlichen Gefolge ausgeht, öfter. Er besucht niemand andern, als den Großwesier, der ihn mit großer Auszeichnung aufnimmt, und in der Regel zum Sultan be­gleitet. So wie man den Wesier das Schwert der Pforte nennt, nennt man den Mufti das Buch derselben. Zunächst unter dem Mufti stehen die vier Räthe des vsmanischen Kirchenrathes, und unter diesen ist eine