Flaschen, besonders Kirschbranntwein von Zara (Maraskino), und Rosoglio von Trieft, kleine, in Krain gemachte, Eisenwaaren, bringen sie, auf ihren Saumroffen, weit und breit umher. Oft sind sie Jahre lang von Hause abwesend, und vernachlässigen dadurch ihre Hauswirthschaft. Im Handel sind die Gottscheer den Juden ähnlich; bieten ihre Waare gewöhnlich um doppelt und gar vierfach so hoch aus, als sie dieselbe geben wollen. Die Weiber treiben nicht selten ebenfalls Handel und gehen mit einem Ballen Waaren von Land zu Land. Einer ihrer Handelsgegenstände sind die Felle von Haselmäusen (Bilchen), indem sie in den Buchwäldern jährlich Tau­sende dieser Thiere erlegen. Es geschieht dieß auf verschiedene Weise, da

3S2 Bewohner Europa's. Die Gottscheer.

wieder erhalten. In Holzarbeiten sind sie geschickt, und die von ihnen verfertigten Gegenstände werden sogar seewärts versendet.

Die handeltreibenden Gottscheer ziehen mit ihren Kramwaaren durch alle Theile Österreichs und die Donau abwärts bis in die Walachei und Moldau. Getrocknete verzuckerte Früchte, Pomeranzen, Zitronen, Oliven, Mandeln, Datteln, Feigen, Baumöl, ausländische Weine in versiegelten

man die Thiere entweder todtschlägt, oder in Schlingen fängt. Die Gott­scheer benutzen nicht nur den Balg, sondern auch das Fleisch, dessen sich manche arme Leute im Herbste als eines Nahrungsmittels bedienen.

Da die Männer dieses kleinen Völkchens, zum Theil auch die Frauen, viel gereist sind, und so die Welt gesehen haben, sind sie nicht so aberglän- big, als viele ihrer Nachbarn.

Als ein eigenthümlicher Heilathsgebrauch ist zu bemerken, daß sich der Bräutigam mit einem großen Zuge von Reitern in die Wohnung seiner Braut begibt, welche ihm einen Krug mit Wein vorsetzt. Ist der Inhalt des Kruges getrunken, so wird das Gefäß in Stücke geschmissen, und so­wohl der künftige Ehemann, als seine Sreunbe, begeben siel) entweder in das Haus des ersteren oder in die Kirche.

Die Gottscheer tragen sich noch heute jo, wie wahrscheinlich zu alter Zeit. Die Haare der Männer sind kurz abgeschnitten, Hals und Brust sind bloß, und den Kopf bedeckt ein runder Filzhut. Den Hemdkragen pflegen sie über den Rock zu schlagen; ihr weißtuchenes Kleid hat keine Ärmel, und wird durch einen ledernen Gürtel festgehalten; die weiten, groben, weißen Tuchhosen reichen bis an die Stiefel. Viele haben Mäntel: bei den meisten ist der Anzug von Baumöl beschmutzt. Das Jahr theilen die Gottscheer zwar auch in zwölf Monate ein, rechnen aber vernünftiger, als fast alle Völker Europa's, indem sie es nicht mitten in dem Winter, sondern mit der Frühlings-Tag - und Nachtgleiche, wenn die Tage länger