388 Bewohner Europa's. Die Wende» oder Dolcnzi.

dem Falle, daß die Kirche weit, zuweilen einige Stunden, vom Geburtsorte des Kindes entfernt ist, legt man dasselbe in einen Korb, und trägt es auf dem Kopfe zur Taufe. (Bei dieser Gelegenheit mag beiläufig bemerkt wer­den, daß die slavischen Weiber gewohnt sind, fortzuschaffende Lasten immer auf dem Kopfe zu tragen.) Da die Hebammen in ihrer Kunst wenig ge­übt, und in der Regel wie die übrigen Wenden dem Trunke ergeben sind, pflegen sie für ihre Bemühung nichts Anderes, als etwas Wein zu erhalten, und es sind dadurch die kleinen Kinder nicht selten großen Gefahren aus­gesetzt. Im Winter, wenn Glatteis ist, oder tiefer Schnee liegt, kommt es nicht selten vor, daß die Hebammen mit den kleinen Neugeborenen hinfallen, und die Kinder so am ersten Lebenstage schon wieder sterben. Es sind Beispiele vorhanden, daß die berauschten Hebammen den Korb mit dem Kinde im Schnee nicht wieder zu finden vermochten, und daß sie in andern Fällen den Korb wieder aufnahmen, ohne zu beachten, daß das Kind im Schnee liegen geblieben sei. Wenn solch' ein neugeborenes Kind im Winter bei schneidender Kälte oft eine Entfernung von zwei bis drei Meilen getragen worden ist, übergießt man dem zarten Wesen in der Kirche den Kopf mit eiskaltem Wasser.

Leichenbegängnisse

Wenn auch die hiesigen Leichenbegängnisse eben nichts Eigenthümliches dielen, ist doch zu bemerken, daß die Todten oft stundenweit auf den Fried­hof getragen werden müssen, weil es an fahrbaren Wegen fehlt, und daß in den gebirgigen Gegenden die Fußpfade oft so schmal sind, daß nicht zwei Personen neben einander gehen können, daß also die Träger einzeln hinter einander gehen, den an eine lange Stange gebundenen Sarg auf der Schulter tragen müssen, und so ein beschwerliches Geschäft haben. Die Sargträger erhalten am Beerdigungstage eine Mahlzeit, und acht Tage nach den^ Begräbnisse kommen sie in Begleitung mit einigen Verwandten zum zweiten Male zum Essen.

Kleidung.

Die Dolenzi tragen über dem Hemde ein kurzes Wamms, und über demselben eine lange Weste, welche H ala genannt wird, keine Ärmel hat, bis auf den halben Schenkel herabreicht, und mit rothem Tuche umsäumt ist. Um die Weste tragen sie einen ledernen Gürtel. Im Winter haben sie Überröcke von schwarzgrauem Tuche, ihre Beinkleider sind weit und lang, und ihre Stiefel unter dem Knie mit Riemen zusammengebunden. Die Haare