390 Bewohner Europas. Die Wippacher.
zimmer haben ein weißes leinenes Tuch, das mit Spitzen umsäumt ist. und in ein Viereck gefaltet wird, auf dem Kopfe, und pflegen in der milderen Jahreszeit an der linken Seite des Hauptes zum Kopfputz einen Blumenstrauß zu tragen.
Fleisch genießen diese Menschen selten: desto häufiger aber die aus Maismehl bereitete Polenta. Mit Ackerbau beschäftigen sie sich wenig: dagegen bauen sie viel Obst und guten Wein, welcher wenig sauer ist, und leicht zu Kopfe steigt. Der sauer gewordene Wein wird Berfa genannt, und pflegt schleichende Fieber bei unvorsichtigem Genusse zu erzeugen, und leicht die Auszehrung herbeizuführen. Wenn man beim Beginne dieser Krankheit nicht mit Brechmitteln, Spießglanz und Schwefel einschreitet, so verschlimmern sich die Übeln Zufälle schnell so sehr, daß jede Hoffnung auf Wiederherstellung vergeblich ist. Die feineren Obstsorten, Granatäpfel und Feigen, so wie auch das übrige Obst, Rosmarin und Lorbeerblätter, werden in nördlichere Gegenden verkauft. Die Kirschen sind hier schon zu Anfang des Mai reif, und in Laibach kann man diese Frucht beinahe sieben Monate des Jahres frisch haben. Der Ackerbau ist sehr unbedeutend, doch wird etwas Mais in einigen Thälern gewonnen. Im Sommer ist in diesen Gegenden das Wasser selten, und in trockenen Jahren verdorren fast alle Gewächse. Dann pflegt man Wallfahrten und Prozessionen nach dem Santa Gora und dem Monte Santo bei Görz anzustellen, um dadurch Regen zu erhalten. Bei diesen Prozessionen erscheinen die Mägdchen mit fliegenden Haaren, gehen auf dem brennenden Boden, welcher oft durch Stiefelsohlen hindurch sehr lästig wird, barfuß, und tragen Dornenkronen auf dem Kopfe. Die Gebete und Gesänge der Wallfahrenden unterbrechen die Rufe des Schmerzes.
Die Wippacher sind eifersüchtiger, als ihre östlichen Nachbarn. Die Braut wird bei der Verehelichunz von einer Hüterinn, welche Klozha (Gluckhenne) heißt, begleitet. Diese hat aber nur bis nach der Mahlzeit zu gebieten. Am Mittag und Abend des Hochzeitlages wird bei der Braut gegessen, und zu Abend noch einmal beim Bräutigam, worauf im Hause der Braut noch ein Kuchen (Pogazha) aufgesetzt wird, welcher so vieleAbthei- lungen bat, als Gäste vorhanden sind. Jeder Gast legt auf eine dieser Abtheilungen einiges Geld, worauf der Kuchen dem Meistgebenden gehört, welcher ihn dann der Braut schenkt. Im Hause des Bräutigams seht man der Braut einen Knaben auf den Schoos. Der Starashina und die Spott- und Katzenmusik für heirathende Berwittwete sind auch hier gebräuchlich.

