Bewohner Europa s. Die Ungarn. 411
Zutrauen, heftig, leicht erregbar, und in der Aufregung blutdürstig. Für empfangene Wohlthaten sind die Ungarn dankbar.
Die Volkstracht der Ungarn ist eine der schönste» in Europa, wenngleich nicht in allen Gegenden dieselbe, doch in den verschiedenen Grundformen nicht beträchtlich von einander abweichend. Der gemeine Mann trägt >>n Sommer bei seinen gewöhnlichen Verrichtungen ein sehr kurzes Hemde, das nur bis etwas unter die Rippen geht, dazu lange, überaus weite leinene Hosen (Gatje genannt), welche durch einen Gürtel festgehalten werden; dazu einen großen runden Hut. Die ungarischen Edelleute dagegen haben eine sehr reiche und schöne knapp anliegende Kleidung, welche aus vielen Bildern bekannt, und durch Worte schwer zu beschreiben ist. Bei den gemeinen Landleuten findet man große Schafpelze, welche auf der sogenannten Aas- (inneren) Seite mit Blumen von verschiedenfarbigem Leder (besonders mit Tulpen) benäht ist. An den Wohnungen des Ungarn merkt man, daß er die Weite und viel Raum liebt. Daher find die Höfe geräumig, die Straßen breit, die Plätze groß; man findet aber manche auffallende Gegensätze, z. B. reinliche Häuser und schlecht gepflasterte schmutzige Straßen. Die meisten Wohnungen der Bauern find von Lehm, mit Stroh oder Rohr gedeckt, haben kleine Glasfenster, sind im Innern meist reinlich, und arm an tzausgeräthe, indem man bei den Armen außer einem Tische, einer Bank und einer hölzernen Kiste wenig findet.
Nahrungsmittel.
Die ungarischen Landleute lieben fette Fleischspeisen, Schweinefleiscl', Speck und viel Gewürz: daher ist die Kost des Ungarn nahrhaft und erhitzend zugleich. Lieblingsgerichte find Sauerkohl (in Süddeutschland Sauerkraut), in Ungarn Kaposzta genannt, das sogenannte Hirtenfleisch, welches aus Rind- oder Lammfleisch besteht, und Gulyas-Hus genannt wird, und mit viel Paprika gewürzt wird; Fischersuppe, Halasz-Lew genannt, welche aus zerschnittenen Fischen gemacht wird. Das Brod ist gut, wird aus Maizen gebacken, und die einzelnen Brode haben eine ungeheure Größe. ES gibt in Ungarn Tausende, welche die ganze Woche hindurch nichts Anderes genießen, als geräucherten Speck, Brod und Knoblauch oder Zwiebeln.
Aberglaube ist in Ungarn noch sehr verbreitet, und alte häßliche Weiber, welche in den Ruf kommen, Hexen zu sein, find übel daran: denn alles Unglück, was sich im Dorfe ereignet, Krankheiten, Sterbefälle, Feuers- brünste, Viehsterben werde» den armen alten Weibern Schuld gegeben. Wenn

