428 Bewvhner Europas. Die Russen.
daselbst keinen Frühling und Herbst gibt, und der Übergang von der einen zur andern Jahreszeit plötzlich eintritt. Wenn im Winter Alles noch mit Schnee und Eis bedeckt ist, und im April der Wind wechselt, so ist der Schnee wie durch einen Zauberschlag verschwunden, und wie durch Zauberschlag die Natur in Grün gekleidet. Das Umgekehrte ist beim Eintritte des Winters der Fall. Gegen den Winter schützen die Russen sich gut: ste tragen lange Pelze, Stiefel, welche ebenfalls warm sind, und Pelzmützen. Während die vornehmen und reichen Leute ihre Stiefel mit Flanell oder Pelzwerk füttern lassen, bewickeln die gemeinen Leute stch mit Binden von Leinewand, oder mit Stücken von Wollenzeug oder Filz, und stecken die Füße dann in Schuhe von Bast. Bei den gemeinen Leuten und den Bauern sind Schafpelze üblich, die Reichen und Großen wenden dagegen ungeheure Summen auf das feinste und kostbarste Pelzwerk. Im Sommer läßt der Russe Kopf und Füße unbedeckt, und trägt kein Halstuch; sein tuchener Rock (Kaftan) reicht bis über die Kniee und kreuzt stch (den Schlafröcken ähnlich) über der Brust, wo ihn metallene Knöpfe zusammenhalten. Der Gürtel, welcher um die Mitte des Leibes getragen wird, ist häufig aus Leinewand. Die Kaufleute tragen lange Tuchröcke, welche bis unten auf die Füße herabreichen, dicht anliegen, und über der Brust zugeknöpft sind. Diese langen Röcke haben keine Taschen, und in ihrer untern Hälfte sehr viele Falten. Die Schärpen, welche um den Leib getragen werden, stnd von Seide, und die Bärte läßt man lang wachsen. Die Geistlichen (Popen) haben lange blaue Talare von Tuch, von Kamelot oder Seide, langes fliegendes Haar, heruntergeschlagene Hüte, und ein langes spanisches Rohr. Die Talare der Mönche und Nonnen sind schwarz, und von ihren zilinder- förmigen Mützen hängt ein Schleier herab. Die allgemeine russtsche Farbe ist die grüne. Alle Beamteten des Zivilstandes, Land- und Seesoldaten, und auch der Adel, haben grüne Uniformen. Die Frauenzimmer aus den untersten Klassen haben kurze, blaue, tuchene Röcke, welche sie unten mit verschiedenfarbigem Zeuge verbrämen. Über den Kopf binden ste ein hell
farbiges geblümtes Tuch, an welches sie bei Festtagen goldene Verzierungen, oder farbige Steine hängen. Während auf den Dörfern die Mägdchen die Haare glatt und am Ende zusammengebunden tragen, verbergen die Weiber von ihrer Verheirathung an ihr Haar unter das Kopftuch. Unter den Kaufleuten und Handwerkern kleidet sich das weibliche Geschlecht geschmackvoller, trägt Röcke aus reichen Seidenstoffen, und verziert den Kopfputz durch Perlenschnüre. Die höchsten Stände kleiden sich wie überall in Europa.

