438 Bewohner Europa s. Die Russen.
um darauf zu sitzen oder zu schlafen, sondern die dazu dient, dasi man die Hausgötter darauf stellt, Geräthschaften daselbst aufbewahrt, und die Teppiche, Matten, Kleidungsstücke und Kissen darauf über einander legt. Jeder Tatar, auch der ärmste, hat zwei Wohnungen, eine für sich und seine Gäste, die andere für das weibliche Geschlecht; diese darf auch der beste Freund nicht betreten. Bei allen Wohnungen findet man Gärten, welche mit Sorgfalt und Vergnügen angebaut werden. Meistens findet man, daß die Tataren ihre Häuser unter großen schattigen Bäumen erbauen, so daß die Zweige die Wohnung überragen, und wenn man sich einem tatarischen Dorfe nähert, bemerkt man einen schönen Wald von Nuß- und Maulbeer- bäumen, Feigen-, Oliven-, Pflaumen- und Kirschbäumen, und beschattete, mit Reben umwachsene Hütten, die man fast nicht eher bemerkt, als bis man dicht davor steht. In den Gebirgsdörfern sind die Häuser so gebaut, daß sie von der einen Seite 8 bis 9 Fuß über der Erde sind, während die Rückseite sich so an eine Anhöhe lehnt, daß das flache Dach, welches zugleich die Decke des Zimmers bildet, mit dem oberen Theile der Anhöhe gleich ist. Das Dach besteht aus dicken Brettern, welche man mit einer fußhohen, festen Sandschichte belegt, und da die nahe stehenden Bäume dasselbe be- schatten, so zieht man gewöhnlich in der wärmeren Jahreszeit, sowohl bei Tage, als bei Nacht, den luftigen Aufenthalt auf dem Dache dem Aufenthalte im Wohnzimmer vor.
Die nogaiischen Tataren, welche früher Nomaden waren, haben Häuser von Backsteinen, deren Dach aus Latten gemacht ist, auf die man zuerst Schilf, dann Gesträuch, und darüber Erde und Asche legt. Diese Dächer sind mehr als einen Schuh dick, und vollkommen geeignet, keinen Regen hindurchzulaffen. Sie bewachsen in der Regel bald mit Gras, haben zuweilen einen Schornstein, häufiger aber in der Mitte ein Loch, durch welches der Rauch seinen Ausgang hat. Die Erde bildet den Boden des Haukes. Das Gebäude, welches nur einen einzigen Raum enthält, ist so- wohl von innen, als von außen mit Lehm bestrichen, und darüber mit weißer Erde geweißt. Der innere Raum besteht gewöhnlich aus zwei, zuweilen auch aus drei, selten aus vier Abtheilungen. Das Verhaus oder die Küche (Ajatüi) ist der Theil, in welchem man sich gewöhnlich aufhält, und in welchen man durch die Thüre zuerst gelangt. Den zweiten Theil nimmt das Schlafzimmer (lisch Üi), welches auch das innere Zimmer genannt wird, ein. In diesem ist die Bettstelle, und man findet daselbst Teppiche und Matten. Ein großer eiserner Kessel (Kasan) ist das vorzüglichste Küchengeräthe einer Tatarenfamilie, und es rechnet auch dieses

