44 fl Bewohner Europas. Die Nüssen.

das Lob böse Geister herbeilocken würde, und ihr die Hebamme sicher in's Gesicht spiee, dieselben zu vertreiben. Die Pathinn besucht die Wöchnerinn öfter wieder, und bringt Geschenke, waö auch alle das Haus Besuchende thun. Für das Geld, was auf diese Weise eingeht, kauft man dem kleinen Menschen ein Heiligenbild, welches in einem Winkel der Wohnung aufge­hängt wird, und vor das man an den Vorabenden von Sonntagen und Feiertagen eine brennende Lampe stellt.

Heirathen

Es ist ein in Deutschland fast allgemein verbreiteter Irrthum, daß in Rußland die Menschen sehr spät zur Mannbarkeit gelangen. Durch das viele Baden, zum Theil auch wohl durch die Nahrungsmittel, wird frühes Erwachsensein gefördert, und so wie man im nördlichsten Deutschlande, wo die Vornehmen und Reichen Nahrungsmittel aus der heißen Zone und viele Gewürze genießen, ein früheres Großwerden trifft, als im mittleren und südlichen Deutschlande, so ist dieses auch in mehren Strichen Rußlands der Fall. Der Verfasser hat im nördlichsten Deutschlande einige eilf- und zwölfjährige Damen gesehen, die man ihrer körperlichen Ausbildung nach in Süddeutschland unfehlbar für 18 bis 20 Jahre alt halten würde. In Rußland heirathen die gemeinen Leute sehr frühe, und acht- oder neunjäh­rige Bauernknaben des inneren Rußlands wurden häufig mit vierzehn- bis achtzehnjährigen Mägdchen verehelicht. Die Regierung suchte diesem Un­wesen nach Kräften zu steuern, doch dürfte sie nicht überall durchgedrungen sein, da in Rußland schon durch die Einrichtung der Wohnungen die Vertrau­lichkeit zwischen beiden Geschlechtern ungemein gefördert wird. Im Alpen- gebirge ist dieses Verhältniß bekanntlich überaus stark; das innere Rußland wird wahrscheinlich dem Alpenqebirge in dieser Beziehung nicht nachstehen. Sollte es der Regierung, was wahrscheinlich ist, auch mit der Zeit gelingen, dieses Übel mit der Wurzel auszurotten, so wird es derselben nicht so leicht werden, einen sonderbaren Gebrauch, das Schminken, beim weiblichen Geschlechte abzuschaffen. Das Schminken ist durch das ganze weite rus­sische Reich verbreitet: alle Bauernmägdchen schminken sich, weil man rothe Gesichter für schön hält, und ein rothes Gesicht und ein schönes sind^in Rußland fast gleichbedeutend. Wenn man von Mägdchen unterer Klaffen spricht, so ist das Wort Röthe (Xrssaditra) mit Schönheit gleich­bedeutend. Die Russinnen verderben aber durch ihre Schminke ihr Gesicht nicht, wie es manchen älteren Damen Westeuropa's, und besonders Schau­spielerinnen und Sängerinnen häufig vorkommt, indem sich jene der