450 Bewohner Europa's. Die Russen.
in den Gasthäusern sehr verschieden, da sie nur von sogenannten geschlossenen Gesellschaften gebildet werden, von Freunden und Bekannten, die sich hier täglich sehen, und wo dann Fremde nur durch Einführung Zutritt haben. Ihnen nachgebildet sind die sogenannten Fremdenklubbe für Deutsche, für Franzosen, für Engländer u. a. in Petersburg, zu welchen aber, unter der obigen Bedingung, auch Russen gezogen werden. Die Hauptunterhaltung in diesen Klubben bildet, außer den Genüssen der Tafel, das Spiel, meistens leider das Kartenspiel; doch fehlt es auch nicht an besseren Zerstreuungen, und oft wird der gebildete Fremde hier durch eine ausgewählte Musik, oder durch eine geistreiche Unterhaltung erfreut. Zeitungen und Journale findet man in den besseren Klubben, aber auch hier nur sparsam und meistens schlecht gewählt.
Auch der sogenannte gelehrte Stand, Professoren, Akademiker, Litera- toren und Künstler, hat hier seine eigenen Klubbe. Er wird von der Regierung und von dem hohen Adel gehoben, und bildet selbst eine Art von Mitteladel in dem Volke. Da aber das letzte noch wenig Sinn für Wissenschaften und Kunst hat, so leben die Gelehrten meistens zurückgezogen, nur mit sich selbst unter einander in Verbindung, und sind daher ohne großen Einfluß auf die übrige Masse der Nazion. Doch befinden sie sich bei dem Schuhe der Höheren und der Achtung der Niederen im Allgemeinen sehr wohl, und die meisten derselben haben ihr altes Vaterland über dem neuen gänzlich vergessen.
Anders verhält es sich mit den Gesellschaften der Großen in den beiden Hauptstädten des Reiches. Hier ist Reichthum und Luxus, und selbst der feine Geschmack in Allem, der Gegenstand der Bewunderung selbst für einen, der in Paris und London die Paläste der Großen näher kennen gelernt hat. Diese Soirecs oder Reunions zeichnen sich wirklich durch Eleganz und guten Ton äußerst vortheilhaft aus. Wenn der fremde Gast auf seine Einladungskarte Abends vor dem Palaste in seinem Wagen erscheint, fliegen die Thore desselben ungestüm aus; ein Schwärm von reich galonirten Dienern, mit Fackeln in den Händen, führt den Gast über die breiten Treppen in die Gesellschaftszimmer, in welchen man, nachdem man der Frau vom Hause vorgestellt worden, sogleich zu der zwanglosesten Unterhaltung mit den bereits versammelten Gästen übergehen kann. Die Zimmer, durch welche man aus diese Weise, von einem Gaste zum andern wandernd, kommt, sind sämmtlich auf's Reichste dekorirt, und durch wahrhaft ungeheure Spiegel, wie sie allein hier verfertigt werden, gleichsam

