Zahl hier bei den Großen auf fünfzig, sechzig und selbst über hundert steigt, wozu denn allerdings die Leichtigkeit, sie sich zu verschaffen, das Meiste beiträgt, den» fast alle sind Leibeigene von den Gütern des Herren. Da ist ein Intendant und ein Maitre d’Hötel, ein Dutzend Zimmerbursche, eben so viel Auswärter, eigene Diener des Herren, und eigene Diener der Frau
Bewohner Europa'6. Die Russen. 451
vervielfacht. Bor der eigentlichen Tafel werden Erfrischungen im Überflüsse von den Dienern herumgetragen.
Vor Allem zeigen die russischen Großen ihre Pracht in der Anzahl ihrer Diener. Schon in dem Hofe wird der Fremde von ihnen umschwärmt; i» dem Vorzimmer stehen sie dicht an einander, und begleiten endlich den Gast in die tieferen Gemächer, um ihm da die überflüssigen Kleidungsstücke abzunehmen, und in dem Vorzimmer aufzubewahren. Früher soll diese Sucht noch viel größer gewesen sein, aber sie ist wahrlich auch jetzt noch groß genug, besonders wenn man dazu bemerkt, daß die meisten derselben müßig gehen, und zehn derselben nicht so viel arbeiten, als in Deutschland ein einziger. Diese Sucht hat sich selbst auf die Mittelklasse fortgepflanzt, und ein Russe hält unter denselben Verhältnissen wenigstens vier Mägde, unter welchen ein Deutscher in seinem Vaterlande froh sein würde, eine einzige zu haben. Diese einzige thut aber in der Regel gewiß eben so viel, als alle jene vier zusammengenommen, und wenn es einmal Nachmittag ist, so thun alle vier gar nichts mehr; denn dann haben sie Feierabend, und legen sich bis zum Schlafengehen im Sommer auf den Eiskeller, im Winter auf den Ofen, der zu dieser langen Sieste eigens eingerichtet ist. In England, in London selbst, sieht man in den größten Palästen kaum drei oder vier eigentliche Diener des Herren, während ihre
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und wieder eigene für den jungen Herren und für die Fräulein vom Hause; dann kommen die Kellner, Beschließer, Jäger, Schweizer, Thürsteher, Portiers, Läufer, Kutscher und Stallbursche, Iockey's und Vorreiter, Köche und Küchenbursche, Confitnriers, die Einheizer und Zimmerputzer u. s. w., die Dienerinnen aller Art gar nicht zu erwähnen. Das Ärgste an der Sache ist aber das fortwährende Anwachsen dieser Dienerschaft. Denn jeder Mann nimmt, wie sich in Rußland ohnehin versteht, sobald er in den Dienst tritt, auch seine Frau mit. Die Kinder, welche aus diesen Ehen entspringen, gehören ebenfalls zu dem Hause, und bleiben auch in demselben; ja oft werden sogar Verwandte, wenn auch nicht gänzlich in das Hans gezogen, doch Tage und Wochen lang in demselben behalten, ohne daß man sich dagegen aufhält; ferner finden die guten Freunde und Bekannte der Dienerschaft hier gewöhnlich offene Tafel, und meistens auch ein
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