IN Rußland eben so wenig aufhält, als man es bei uns sonderbar findet, daß alte Leute ihre Zähne verlieren. Oft sah ich, wenn ich auf meinen häufigen Reisen eine Bauernstube zur Zeit des Mittags betrat, die ganze rüstige Familie wohlgemuth um ihren Tisch versammelt, während in einem Winkel der Stube ein altes Pärchen, vor einem kleinen niedrigen Tisch gekauert, sein Mahl verzehrte. Wenn man fragt, wer die beiden Armen seien, erhält man die scheinbar gleichgiltige Antwort:das Väterchen und Mütterchen vom Hause, die schon blind sind." Dieses frühe Zugrunde­gehen der Augen ist aber wahrscheinlich nicht bloß dem blendenden Schnee, sondern auch der strengen Kälte überhaupt zuzuschreiben. Es ist eine in jenen Gegenden alltägliche Sache, daß dem Menschen im Winter die Augen zufrieren, zwar nicht das eigentliche Auge, das, wie es scheint, auch der strengsten Kälte widersteht, aber wohl die Flüssigkeit, welche dasselbe, wenn

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Die Nächte sind im Winter, selbst zur Zeit des Neumonds, durch den Widerschein dieses Schnees, der viel Ähnlichkeit mit dem des bekannten bvnonischen Steines hat, so hell, daß man zur Nachtzeit nur unbedeutend weniger steht, als an trüben Tagen, und daß man bei Nacht ganz eben so gut, wie am Tage, reisen kann. Wegen dieser Blendung des Schnees sind auch, besonders in den nördlicheren Gegenden, selbst die Bauern mit Schnee­brillen von gefärbten Gläsern versehen, die man in allen, selbst kleinere» Orten, um einige Kopeken kaufen kann. Ganz Arme machen sich diese Brillen selbst aus zwei kreisrunden dünnen Holzscheibchen, in deren Mitte sie eine dünne Spalte anbringen, die über die Pupille des Auges gebunden wird. Dieser Vorsicht ungeachtet ist es eine sehr gewöhnliche Erscheinung, daß die Alten aus der arbeitenden Klasse blind werden, worüber man sich

es von der Kälte gereizt wird, abzusondern pflegt. Wenn es aus der höheren Temperatur der geheizten Stube in die Kälte kömmt, oder wenn ein stärkerer Luftzug auf dasselbe einwirkt, so weint es, und wie die Thräne an den Rand der Augenlieder tritt, und da auseinander fließt, so friert sie auch schon und verschließt dadurch die Öffnung der Augen. In diesem Falle tritt man sogleich in das nächste Haus und stellt sich mit dem Worte: Iswinite" (um Vergebung, oder: es beliebe Euch) neben der Thüre in die warme Stube, wo das Auge sogleich wieder aufthaut, worauf man dann seinen Weg wieder fortsetzt. Solche Besuche erhält man oft in einer Stunde mehre, und es fällt niemand ein, sich darüber aufzuhalten. Noch häufiger ist das Erfrieren derjenigen Theile des Körpers, die sich auch in der strengsten Kälte nicht gut bedecken lassen, besonders der Nase. Das erfle Gefühl dabei ist nicht unangenehm, und wenn man nicht besonders