oder dieses Erfrieren der Nase zu bedeuten hat, wenn sogleich Hilfe bei der Hand ist; so arge Folgen haben dieseZufälle, wenn sie anfangs versäumt worden sind, und man fleht daher in Rußland nicht wenige, besonders in der Mitte des Gesichtes häßlich uiid oft wahrhaft gräßlich entstellte Leute.
So wie übrigens der Schnee jener kalten Gegenden sich von dem iinsrige» unterscheidet, so ist auch das Eis derselben ganz anders. Wenn die Bewohner des südliche» Deutschlandes oft während des Laufs eines ganzen Winters nur schmutziges und brüchiges Grundeis für ihre Keller erhalten, das kaum einen halben Fuß Dicke hat, so wird das Eis in den Seen und selbst in den größeren Strömen Rußlands meistens vier und oft über sechs Fuß dick, und diese Stücke sind, ihrer Dicke ungeachtet, so hart, daß man daran mit einem Stahle Feuer schlagen kann, und so durchsichtig, daß man einen Strohhalm, wenn er auch in der Mitte eines solchen klaf
Bcwoyner Europas. Die Russen. 45!)
aufmerksam ist, oder es schon öfters erfahren hat, so bemerkt man es auch wohl gar nicht. Desto besser aber bemerkt es ein Anderer, da sich der erfrorene Theil sogleich durch seine bläuliche Farbe kenntlich macht, und in diesem Augenblicke ist man auch schon gewiß, von jedem, der uns begegnet und in's Gesicht sieht, liebevoll erinnert zu werden: „Baituschka, wasche Nos" (Väterchen, eure Nase!) schreien die Vorübergehenden, und eilen hastig ihres Weges weiter. In der That bedarf es keiner andern Hilfe, als dieses freundlichen Zurufes, von dem die unmittelbare Folge ist, daß der vvm Frost Ergriffene sogleich eine Hand voll Schnee vom Boden nimmt, und sich damit die Nasenspitze derb einreibt, worauf dann auch er seinen Weg weiter fortsetzt, und vielleicht schon in dem nächsten Augenblicke einem Andern sein „wasche Nvö" zuruft. So wenig dieses Zufrieren der Augen
terdicken Klumpens liegt, noch so rein und und ungehindert sehen kann, als ob er ganz frei vor dem Gesichte läge.
Dieser strengen und dem Aufenthalte im Freien so hinderlichen Kälte ungeachtet, werden in Rußland die meisten Reisen im Winter gemacht, und zwar ununterbrochen, bei Tage sowohl, als bei Nacht. Die Hauptursache dieser auffallenden Erscheinung sind offenbar die Wege, die im Sommer, besonders im Anfang und am Ende desselben, da sie ganz der lieben Natur überlassen werden, oft grundlos und wahrhaft unbrauchbar sind, während sie im Winter von denselben Händen der Natur besser gemacht werden, als man sie in irgend einem Lande finde» kann. Der hohe harte Schnee, der nie thaut, überzieht das ganze Land mit einem Spiegel, über welchen die Schlitten, wie über einen Marmorbvden, mit der Eile des Blitzes hingleiten, ohne durch irgend ein Hinderniß, da der Winter alle geebnet hat, aufgehalten

