472 Bewohner Europa s. Bewohner Skandinaviens.
Der Karakter der Schweden ist fest und eifern, wie ihre Fclsengebilde und Eifensteinmassen. Den Ernst des Nordens findet man über das ganze Wesen des Schweden verbreitet. Strenge an Religion haltend, Vaterland, Gesetz und Freiheit liebend, ist der Schwede ehrlich und uneigennützig, sittlich und voll Muthes; gastfreundlich theilt er gerne mit. Er faßt nicht so schnell, als der Südeurvpäer, urtheilt aber scharf. Langsam sind die Schweden im Unternehmen und auch im Ausführen. Zum äußerlichen Putz und Prunk haben sie große Neigung und find dem Genusse geistiger Getränke sehr zugethan.
Vom Essen und Trinken sind die Schweden große Freunde, und nicht weniger vom Tabackrauchen und Kauen, als vom Branntweintrinken. Vor dem Essen genießt man ein Glas Branntwein und eine Kleinigkeit dazu. Die schwedische Küche ist gut, und die reinlich und wohlschmeckend bereiteten Speisen sind in Menge vorhanden. Die Borkest, welche man vor dem Essen nimmt, besteht aus Bntterbrod, Härinqen, Sardellen, Käse, Wurst, Rettigeu und Radieschen, und nachdem dieselben genommen, gießt man wieder ein Glas Branntwein darauf. An diesem Kleinmittag nehmen die Damen selten Theil. Bei der wirklichen Mahlzeit machen Vorgerichte von Fischen, tzäringssalat und dergleichen den Anfang; es wechseln kalte und warme Speisen mit einander, und in der Mitte der Mahlzeit wird die Suppe gegessen; auf das Gemüse trinkt man ein Glas Milch oder Sahne. Zwischeneffen bilden Kvmpote, Cremen und Schokolade; Kuchen und Back- werk, ohne welche der Schwede nicht leben kann, und zuweilen kalter Punsch, machen den Beschluß. Beim Essen trinkt man immer Bier, selten Wein und Branntwein; im südlichen Schweden hat man Porter, welcher eben so gut, als der in Großbritannien ist. Sonst ist das gewöhnliche Getränk Dünnbier (Svagdrika); doch hat man auch Doppelbier, welches Öl (Ale) heißt. In Stockholm ist der gewöhnliche Tischwein Portwein und Madeira, welcher in Kristallflaschen aus der Tafel steht; die französischen Weine werden in Gläsern geboten. Häufig ist das Gesundheittrinken. In einigen, besonders in nördlichen Provinzen, genießt man zwischen dem Mittag- und dem Abendessen noch Vesperbrvd, welches Aftongard heißt. Am Abend ißt man etwas spät, und geht dann bald in's Bett. Kaffee wird überall am Morgen getrunken, und im Dorfwirthshause und Bauernhause besser, als in Deutschland, bereitet. Wildes Geflügel, Wildbraten und Fische dürfen auf keiner guten Tafel fehlen. Das gewöhnliche Brod ist dünn und hart, hat die Gestalt eines Kuchens, etwa so groß wie ein Teller, und in der Mitte ei» Loch, damit man es an einer hölzernen Stange

