Bewohner Europa s. Bewohner Skandinaviens. 473
aufbewahren kann. Man kann es Jahre lang aufheben, und es wird dann so hart, daß man es auf dem Kn-iee zerbrechen muß. Bei den Bauern ist dieses Brod zuweilen fingerdick, in den Städten aber dünner, und oft nicht dicker, als starkes Papier. In den Städten bäckt man Anis in das Brod. Schwarzes, in Norddeutschland sogenanntes Hauebackenbrod, findet man nur im südliche» Schweden. Erbsenbrod, eine Linie dick, macht man in Dalekarlien, während man in den nördlichsten Theilen des Landes nur Hafer- oder Gerstenbrod ißt, das man in Jahren des Mißwachses mit der Borke des Nadelholzes vermischt. In Hungerjahren macht man sogar Brod aus bloßer Rinde, das ein Ausländer beinahe nicht hinunterbringen kann, und das man, bevor es im Ofen gebacken wird, mit Mehl bestreut, damit es nicht zerbröckle. In diesen armen Gegenden ißt man auch Grütze aus Rinde, welche man mit Mehl und Milch vermischt. Aus isländischem Moose kocht man einen Brei, dörrt ihn, und genießt ihn Statt des Brodes.
Hochzeiten.
Wenn auch unter den Gebildeten in Schweden Sitten und Gebräuche sich gleich, und denen der übrigen Europäer ähnlich find, herrscht unter der Masse des Volkes doch viel Eigenthümliches. Bei den Hochzeiten macht man viel Aufwand, und wenn sie recht feierlich sein sollen, findet die Trauung an einem Sonntag oder Festtag in der Kirche Statt. Die Gäste gehen schon am Abende vor der Trauung in das Haus, in welchem die Trauung Statt finden soll, und feiern daselbst den Jungfernabend, an welchem die Ältern beider Brautleute ein Mahl geben. Hier verzehrt man den Jnngfernbrei, und tanzt zuweilen dazu. Am Morgen des Sonntags geht man gewöhnlich vom Pfarrhause in Prozession in die Kirche. An der Spitze des Zuges befinden sich die Musikanten, worauf der Prediger und der Bräutigam, und hinter diesen die männlichen Hochzeitsgäste folgen; hieran reiht sich die Braut mit den weiblichen Gästen. Der Bräutigam ist gewöhnlich schwarz gekleidet, hat weiße Weste, weiße Strümpfe und Schuhe. Die Braut hat allerlei Zierrathen, und die Brautkrone oder der silberne Brautkranz, welcher der Kirche gehört, und gegen Bezahlung hergeliehen wird, ruht auf einem Kiffen. In einige» Strichen zieht man zu Wagen und zu Pferde vom Hause der Braut zum Pfarrhofe. In Smaland reiten die Brautdiener in die Kirche voran, um das Anrücken des Zuges zu melden, und bieten jedem in die Kirche Gehenden einen Trunk. Wen» die Braut zum Altare geführt wird, macht mau Musik. Darauf

