§ 6 $ 47 AUS

Wie soll ich eS nun anfangen?" klagte Marga» «lha mit Thränen in den Augen.

Ich weiß eS nicht, antwortete ihre Mutter, den» ke darüber nach." So blieben sie einige Augenblicke still. Margaretha blickte traurig das Halstuch an, das sie noch immer in der Hand hakte, alS Marie zu ihr in ihr Zimmer kam. Margaretha verbarg es schnell unter den Stubl ihrer Mutter, ging auf Marie zu und fragte halb beschämt und halb lachend:Marie, zürnst du mir?" Marie trotzte noch und bezeigte nicht viel Lust zu antwor­ten. Da umarmte sie Margaretha und sagte:Nicht wahr, meine liebe Marie, du spielst doch wieder mit mir?" Diese war aber über diese Handlung der Marga­retha, die ihr Unrecht sonst gerade nicht auf «ine so lie­benswürdige Art wieder gut machen wollte, so erstaunt und verlegen, daß sie alle Beleidigungen vergaß und wie­der mit ihr zu spielen versprach. Da holte Margaretha eilig das Halstuch unter dem Stuhl ihrer Mutter hervor und gab es Marie mit den Worten:Nimm das Hals­tuch, Marie, meine Mutter hat mir erlaubt es dir zu geben." Marie wurde roth, Margarethens Augen glänz, ten vor Freude und Frau v. Osy, mit diesem Betragen ihrer Tochter vollkommen zufrieden, küßte sie und sagte etwas leise, daß es Marie nicht hören konnte:Siehst du, mein Kind, das ist Großmuth."

Frau v. Osy hatte ihre Margarethe überaus lieb, so daß sie ihr, wo sie nur konnte, Freude zu machen suchte; und allemal, wenn ihr Charakter sie nicht zur Un- geduld oder zu irgend einem Ungehorsam verleitete, hatte Frau v. Osy vollkommen Ursache, mit ihrem Fleiß und Eifer zur Arbeit zufrieden zu sein. Als Margaretha die englische Sprache erlernte, nahm sie sich vor, eine ziem­lich lange Geschichte, welche sie in ihrer Grammatik ge-