Dorothea horte mit ausgezeichneter Geduld diese lange Rede an, und warf, während der junge Protektor sich zu weiteren Großthaten räuSperte, mit spöttischer Munterkeit die Worte hin:Also Friede und Freundschaft zwischen Ghibeliinen und Welsen!"

Vortrefflich!" applaudirte Friedrich,ja Friede und Freundschaft!" Er faßte freundlich ihre Hand und schüttelte sie.Also der Onkel," sagte er,ist ein ältlicher, ernster Mann, sehr gelehrt und, wie man sagt, von strenge» Grundsätzen. Doch bei uns war er oft sehr heiter, und behandelte mich, als seinen Pathen und Liebling, recht freundlich. Mit dem also wird schon ein Auskommen sein. Aber die Tante, daS ist der Stein des Anstoßes, die hat ein ängstlich ceremoniöses Wesen, ist pedantisch ordentlich, holländisch reinlich, von einer grämlichen Klein­lichkeit nun, daS kannst Du denken, Thea, daß die beiden Eheleute nicht sonderlich stimmen. Unter uns gesagt, es soll hie und da schon manchen bedeutenden Zusammenstoß gegeben haben, und vorzüglich seit die Beiden allein mit einander sind. Ja, als von den Kinder» noch einige, oder eins da war, prallten die Stöße auf die ab. Um nun wieder solch einen Anprall zu haben, hat man uns hierhergezogen. Ich kann mich ganz leicht aus der Sache ziehen, ich stelle mich immer auf die Seite des Onkels; denn ich bin im Voraus überzeugt, er hat stets Recht. Aber Du armes Ding, Du hast es immer mit der griesgrä­migen Tante zu thun. bist beständig in ihrer Gewalt, Du mußt schon auf ihre Seite treten, sonst geht eS Dir übel."

DaS Gesicht der kleinen .Reisenden war bei dieser Schilderung be­deutend länger geworden, sie seufzte tief auf; doch nach einigen Mimäe» Sinnens schüttelte sie sich, und sagte muthig:Bangemachen gilt nicht! ich will mich schon durchkämpfen!"

Kämpfen, Du!" lachte Friedrich; doch die Stöße des Steinpflasters, auf welchem der Wage» jetzt hinrasselte, übertönten Gelächter und Wort.

II