seine Fluge gingen höher. „Außerdem," fuhr der Sprecher fort, „wünschte ich zu erfuhren, was Euer Herz sonst noch für Studien begehrt; es soll Euch davon nichts vorenthalten werde». Neuere Sprachen werden aus dem Gymnasium wenig getrieben, Musik gar nicht, Zeichnen einseitig; hast Du Lust, junger Hochburg, wie ich nicht zweifle, zu allen diesen, so soll Dir die beste Gelegenheit dazu weiden, lind Du, mein liebes Dorchen, kannst dieselben Ansprüche machen; ein kleines Mädchen, das eben, eingesegnet wurde, hat noch nicht Zeit gehabt, seine Bildung zu vollenden, wenn sie auch noch so fleißig gewesen ist."
„Aber meine Nichte," fiel die Hofräthin ein, „hat häusliche Pflichten..."
„Deine Nichte ist auch meine Nichte," unterbrach hier der Hausherr etwas schneidend, „und Du wirst einverstanden sein, gute Frau, daß unsere Nichte nicht bloß Pflichten gegen uns zu erfüllen hat, sondern auch gegen sich selbst. Und diese Berechtigung werde ich ins Leben zu führen wissen, trotz allen Feldmäusen!"
Zugleich stieß er sein Glas mit Kraft auf den Tisch. Die Hausfrau wußte dieser energischen Betheuerung nichts entgegen zu setzen, als ei» mürrisches Schweigen. Sie hob dann bald die Tafel auf und zog sich zurück.
Thea führte Fritz i»S Gärtchen hinter dem Hause, daö die höchste Nettigkeit und Symmetrie zeigte. „Die Tante," vertraute Fritz seiner Gefährtin an, „ist noch viel ärger geworden, als sie früher war. Ewiges Umherspähen und Tadeln, kein freundliches Wort, kein Willkommen für mich. Und wie sie immer so gerade vor sich hinstarrt! Ich glaube, sie wird noch einmal närrisch!"
„Gott bewahre!" rief Dorothea. „Ich glaube auch, daß es schwer ist, es der Tante recht zu machen, ich bin ebenfalls von ihr stets ent- weder zurechtgewiesen oder getadelt worden; aber das fange ich an zu
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