daß man dazu immer die schönsten" — er warf einen Seitenblick in den Spiegel — „auswählte, und sie noch obendrein mit Kränzen schinückte. .
„Auf diese Weise will ich Dir allein diese Ehre lassen!" rief sie schelmisch, ihm ein Räbchen schabend. Beschämt zog er sich zurück, und brachte seine Bleistifte in Ordnung.
Die Tante holte beim Anfang der Stunden einige Zeichnungen in Bleistift und Kreide hervor, die sie in früheren Zeiten gemacht; eS waren zum Theil Blumcnstücke, fleißig, sauber und zart gearbeitet, zum Theil Landschaften, ebenfalls sehr reinlich, aber in jener geleckte» Art, welche die Kunst als zu unfrei verwirft. Fritz wollte Landschafter werden, Thea hielt sich an die Blumen. Beide hatten schon Vorstudien gemacht, und so warf sich Fritz mit Hast in den Baumschlag verschiedener Arten, und hatte schon viele Thaten vollbracht, während Thea nur wenige, einfache Blumen mit vieler Genauigkeit wiedergegeben hatte.
„Die Tante verlangt immer genaue Nachahmung," eiferte Fritz nach der Stunde, „wie handwerksmäßig! Wie kann sich der Geist frei entfalten, wenn er in solche Fesseln geschlagen wird!"
„Höre Fritz," sagte Thea, „ich denke mir die Sache als Vorschule; man kann doch nicht immer gleich Meisterwerke ausführen, wenn man noch nicht fest in den AnfangSgründen ist. Laß uns erst einmal fleißig und genau nachahmen, dann können wir nachher Alles zeichnen, was uns einfällt."
Fritz fand diese Vorschläge unpassend für sich, und die Tante erklärte bald, er habe gar kein Talent, er könne ihr Schüler nicht mehr sein. Das war ihm eben recht; an seiner Stelle ward ein junges Mädchen von Theas Alter angeworben, und die Stunden, wiewohl zuweilen unterbrochen, gingen fort.
Der Onkel war seit einiger Zeit ernst und sinnend gewesen; die
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