„Auswendig weißt Du es doch wohl schon, hust Du es doch selbst gemacht!"
„Nein, »ein, Thea. daS muß ganz fest sitzen, ich habe keinen Souffleur." Während Fritz die Tage und Stunden zählte, die bis zu dem Augenblicke noch verfließen mußten, wo er den Samen seines Ruhmes zu säe» dachte, bemühte sich Thea, ihren häuslichen Pflichten volle Genüge zu thun, eS dem Onkel an seiner Bequemlichkeit und Pflege, an der Anmuth seines Hauses in nichts fehle» zu lasse», das Gesinde ivohl zu regieren, für Einkäufe und Ausgabe, Küche und Keller, Ordnung und Reinlichkeit weise zu sorgen, auch der Tante zur bestimmte» Zeit und Stunde ausführlich von Allem Bericht zu erstatten. War ein Tag vorüber, und Alle zeigten sich zufrieden, alle Werke waren wohl gelungen, so legte die junge Bcrsorgerin Abends ihr Köpfchen ruhig nieder, dankte Gott und bat ihn, ihr nichts Außerordentliches zu senden; denn daS würde für ihre schwachen Schulter» wohl zu viel sein. Auch ging Alles seinen gewöhnlichen Gang fort, und die Tage der Schulprüfung waren da.
Der Onkel ging den ersten Tag hin, und kehrte sehr heiter zurück. „Morgen mußt Du es so einrichten, kleine Thea, daß Du mich begleiten kannst, eS wird gesungen und deklamirt, und Fritz, der wirklich sehr fleißig gewesen ist, wird ja auch wohl etwas hersagen? Ich habe kaum den Ankündigungszettel angesehen."
„Ja wohl, ich glaube," erwiederte Thea erröthcnd.
An> Abend spät saß Thea beim Anschreiben ihrer Ausgaben, und rechnete eifrig eine lange Seite zusammen, da kam Fritz athemlos ins Zinimcr gestürzt, warf sich auf einen Stuhl, rang die Hände und ge- berdete sich wie ein Verzweifelnder. „Ich bin verloren, ich werde zu Hohn und Spott werden!"
„Warum denn, Fritz?"
„Ich habe niein Manuskript verloren, und in meinem Gedächtniß

