Größe. Schön fand man sie nicht, aber anziehend, gewinnend und an- muthig. Die Lebenslustigen kannten mit Keiner besser tanzen, angenehmer plaudern; die Geistreiche» und Gelehrten fanden, daß Niemand sie so gut verstehe und ihnen so aufmerksam horche, wie sie, und selbst die Rohen zeigten Achtung und Scheu vor ihr.
Fritz bemerkte diese Erfolge der kleine» Thea, und er war stolz darauf; denn er kannte sie doch »och besser als alle Anderen, ja er bildete sich ein, daß nur er allein den ganzen Umfang ihres Werthes und dessen tiefsten Kern ergründet habe; vielleicht wäre es ihm aber dennoch schwer geivorden, diese tiefe Wissenschaft in Worte zu fassen, ein Symbol für seinen Glaube» zu finden. Es erhöhte indeß jedenfalls seine Schätzung dieser Perle, daß seine Gefährten und Freunde ihm die Nähe und den zwanglosen Umgang mit derselben beneideten.
So bildete sich sein Burschenleben gewinn- und genußreich aus; er getvann sich Freunde, studirte mit Ernst und Feuer, und doch mit dem vollen Bewußtsein der Freiheit, Selbstständigkeit und Jugcndlust, die ihm der Hofrath durchaus nicht verkümmerte, und welche selbst die Tante auf ihre Art zu ehren wußte. Diese Zeit üppig aufbrausender Kraft, lebendiger Entfaltung des geistigen Reichthums glänzt im Jüng- lingSleben im gegenwärtigen Genuß und in der Erinnerung als eine zauberisch herrliche, als ein das ganze Leben überstrahlendes Kleinod. Die Dämpferin dieser wilden, stürmischen Accorde, das Adagio der Symphonie, fehlt freilich den meisten Jünglingen in ihrem akademischen Leben — ein edler weiblicher Umgang. Fritz hatte auch diesen, er hatte eine schwesterliche Freundin, eine Gefährtin seiner Mühen und Freuden. Wie wäre eS nwglich gewesen, daß er der Rohheit, oder wüster Niedrigkeit anheimgefallen wäre?
Ein großer Schmerz drang in der Mitte seines Studicnlebens auf ihn ein; sein Vater erkrankte und starb; doch war der Sohn noch zeitig
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