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Wenns wahr ist, was ich heute hörte, die Frau Schulzin habe geblümten Kattun gekauft für sich und ihre beiden Töchter, da machte ich die Kleider und hätte mehr als genug — ich könnte sogar die Jacke mit Sammetband besetzen, wie meine selige Mutter eine hatte!"
Fast übernommen von der herrlichen Aussicht, die sich vor ihr öffnete, stand Magdalena rasch auf, ging nach dem kleinen Wandschranke und wollte denselben eben ausschließen, um ihre Baarschaft, die sich daselbst in einem röthlich gesprenkelten Strumpfe wohlaufgehoben vorfand, von Neuem zu überzählen, als sie ihre Hausthüre öffnen und harte Tritte aus dem Steinpflaster der Diele hörte. Ein Wagen hatte vor ihrem Hause still gehalten, doch m ihre Berechnungen versunken, hatte sie seine Ankunft überhört.
Ein breitschultriger Mann in einem Fuhrmannskittel trat herein. „Guten Abend! Seid Ihr Jungfer Magdalene Farthinger?"
„Die bin ich."
„Ich bringe Euch hier ein Kind, einen kleinen Jungen, den Ihr bei Euch behalten und zu Fleiß und Gottesfurcht erziehen möget!"
„Ich, wie käme ich zu einem fremden Kinde?"
„Na, Gott schickts Euch! Fremd ists wohl, lveil es nicht Euer eigenes ist; aber sonst nicht. Habt Ihr nicht eine Base gehabt, Christine Weise, geborne Farthinger in Bollenbrook?'
„Wohl, und die habe ich noch."
„Nein, die habt Ihr nicht mehr. Wißt Ihr nichts von der großen Feueröbrunst bei uns, die zwölf Häuser rein weggebrannt hat?" „Nein, wie sollt' ich?" rief Magdalene entsetzt.
,,S' ist freilich weit von hier!" murmelte der Fuhrmann. „Das kann ich Euch aber zusichern, wir wissen davon nachzusagen, und werde ich so alt, wie mein Großvater — der ward neunzig Jahre alt — die Nacht vergesse ich mein Lebtage nicht, als das Feuer ausbrach! Gear-

