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einem hergebrachten Schlendrianston vortrug, so hatten die Begeben­heiten und Gestalten, die er behandelte, in sich eine solche göttliche Lebenskraft, daß sie in Konrads kindlicher Phantasie zu gegenwärtigen, ihn ganz erfüllenden Menschen erwuchsen. Kaum konnte ers erwarten, wieder bei seiner Muhme zu sein, um ihr Alles haarklein wieder zu er­zählen, sie nach vielen Einzelheiten zu fragen, und seine Verehrung und Theilnahme, seine Liebe und seinen Haß für die verschiedenen Personen, die dort handelnd auftraten, aufs Lebendigste auszusprechen. Diesmal gelang eS ihm, die Muhme ganz mit fortzureißen. Sie hörte das Wort Gottes zwar jeden Sonntag in der Predigt, las auch wohl Nachmittags oder Abends, wenn sie nicht zu ihre» Bekannten ging, in der Bibel, doch ward sie gewöhnlich bald müde dabei und schlief ein. Das kam davon, daß ihr das Lesen große Mühe machte, und daß sie säst immer dasselbe las, entweder einen Psalin, der ihr schon bekannt, oder das Evangelium, von welchem gepredigt worden war. Die Geschichten des alten Testa­ments hatte sie fast vergessen.

Nun aber traten sie Alle lebenvoll in ihre Nähe, die großen Pa­triarchen in ihren einfachen und wunderbaren Schicksalen, das unsterbliche Drama Josephs und seiner Brüder, die liebliche Idylle von Ruth, Naemi und Boas, der kleine Samuel, dem seine Mutter ein leinenes Nöckchen machte, daS rührende, erschütternde Epos des Jünglings, bräunlich und schön, der prächtige Salomo und sein volksfriedlicher Sohn, die erhabenen Propheten und die Heldenkühnen Makkabäer. Alle rückten nach und nach heran; denn Konrad mußte wiedergeben, was er so heiß aufgenommen. Wollte er dann noch tausenderlei mehr wissen, so sagte Magdalene: Junge, ich habe keine Zeit, Dir alles das aus der Bibel zu suchen! Du mußt Dich angreifen, daß Du lesen lernst, dann will ich Dir die alte Bibel, die ich von meiner Mutter geerbt habe, in die Hand geben und Du kannst dann selbst darin lesen, wenn ich dabei bin."