Das war ein Sporn für den kleinen Konrad, er buchstabirte und las, wo er nur irgend konnte. Jetzt schon hatte er aber einen großen Gewinn von seiner Kenntniß der alttestaiuentarischen Geschichten, der ihm groß und herrlich erschien. Magdalene hatte ihn jeden Sonntag mit in die Kirche genommen, weil sie es für recht und nothwendig hielt, und weil der Kleine dann bei ihr war; sie fragte ihn auch wohl, ob er gern mitgehe? daS bejahete er, es sei hübsch, daß sie sängen und Alle so still zuhörten, selbst der Schulmeister, und wenn der Herr Pastor so laut und prächtig rede, doch hatte der kleine Schüler es kein Hehl, daß er nichts von dieser Rede verstehe. Er verwieb sich die Zeit des langen Stillsitzens damit, daß er erst in der Kirche umherschaute, was es Be­sonderes zu sehen gab, dann das Gesangbuch öffnete und darin unhörbar für sich buchstabirte. Jetzt aber verstand er sehr oft etwas in der Pre­digt; kam eine Anspielung auf die Thaten und Leiden des tapfer» Kö­nigs David, oder eine Stelle aus seinen Psalmen, oder den Aussprüchen seines weisen Sohnes; so hatte die Muhme oft schon ihren spitzen Finger ausgestreckt, um ihn leise am Aermel zu zupfen, oder in die Seite zu tippen, doch immer war Konrad schon da um zuzuhören, und sich zu freuen, daß er nun die Predigt verstehe.

Dann fand sich'S, als vor Ostern die jährliche Schulprüfung an­gestellt wurde, daß Konrad ganz fließend lesen konnte, im Rechnen und Schreiben schon etwas gethan hatte, und aus der biblischen Geschichte ordentlich, wenn auch auf sehr kindliche Weise, wieder erzählen konnte, was den Andern nur stückweise abgefragt wurde. Der Herr Pastor wandte sich, nachdem die Prüfung überstanden war, an den Schulmeister, und fragte ihn nach einigem Lobe und mancherlei Ausstellungen:Wer ist das nette Jüngelchen, das so gut lesen und antworten konnte?"

Der Herr Pastor ineinen den Konrad, o, das ist der Schneider- lene ihr Konrad, ein guter Schüler."