100
bringen konnte, mußte Konrädchen nicht bloß einfädeln — das wäre ihm nur Spielwerk gewesen — sondern auch mitnähen. Eine tüchtige, dicke Rath mit Hinterstichen, oder einen schmalen Saum, der nicht auf ebenem Faden hinlief, konnte er schon zu Stande bringen, und da Mag- dalene ihn so anstellig fand, freute sie sich schon auf die Zeit, wo Konrad ihr Gesell sein werde. Hatte sie sich in solchen Luftgcbäuden einmal eine rechte Güte gethan, so endete sie gewöhnlich damit, dem lieben Gott herzlich zu danken, daß er es ihr so leicht mache, ihren Sohn zu versorgen.
Indeß kam auch für sie die Zeit der Noth, der Sorge und der Thränen, die bei Niemandem ausbleibt, der ein Kind ausgenommen, der es erzieht und liebt.
Einst in der Sommerzeit, als keine Schule war, ging Konrad bei einigen Nachbarn herum; er that das gerne, er wurde gut bewirthet, mußte bei den gemeinsamen Mahlzeiten singen und erzählen, und den Knechten und Mägden allerlei vormachen; sie fanden Alle, er sei ein kluger, drolliger Junge, da ward er aufgeblasen und stolzirte wie ei» Hahn umher. Dann kam er in Bekanntschaft mit einigen größeren, wilden Buben, zu denen er sich auch nach dem Heuen hielt, und sich mit ihnen in Wald und Feld umhertrieb.
Bald kam er spät mit zerrissenen Kleidern aus dem Walde zurück, wo er mit seinen Gefährten allerlei kleinem Wilde nachgespürt, vorzüglich aber den Eichhörnchen auf die Bäume nachgeklettert war, bald ward Magdalene angesagt, ihr Pslegesohn prelle Frösche, oder schneide die besten Zweige von den jungen Bäumen, oder er wälze und raufe sich mit seinen Gesellen im Grase frenider Wiesen, und sei nur mit Mühe und Noth dem Pfänden entgangen — bald hatte man ihn mit diesen wilden Buben an einem Feuer gesehen, das sie angemacht, um Kartoffeln und Aepfel zu braten! — Woher sie die aber genommen, wußte

