„Der neue Superintendent, Konrad?"
„Ja, Muhme, wißt Ihr noch, der alte Herr ist zweimal hier gewesen beim Herrn Pastor, und er kam dann auch immer in die Schule und hörte zu, ob wir etwas gelernt hatten. Ach, er war so alt und gebrechlich, und in der Schule schlief er gewöhnlich ein; der ist nun gestorben, und es ist ein Anderer angestellt, der, glaube ich, Steinbrecher heißt."
„Superintendent heißt er."
„Ja, Muhme, Superintendent Steinbrecher; das soll ein gar strenger Herr sein und sehr zornig. Alle Kinder sind Höllenangst vor ihm, und ich glaube," sagte der Erzähler leise, indem er sich dem Ohre seiner Zuhörerin näherte, „der Herr Schulmeister ist auch bange; er fing heute gleich an, Alles zu wiederholen, >vaS Ivir gehabt haben, und war viel böser als sonst, ivenn Einer etwas nicht wußte. Und bei dem Herrn Pastor in der Kinderlehre wars fast ebenso. Und, Muhme, wenn uns der Herr Superintendent fragt, so müssen wir ihn in der Antwort Hochwürden nennen: ja, Hochwürden; nein, Hochwürde»; und so immer."
Diese große Nachricht lief schnell durchs ganze Dorf und brachte die ganze Bevölkerung in Aufruhr. Die Spannung stieg noch. als in der Pfarre viele geräuschvolle Vorbereitungen das Herannahen eines welthistorischen Ereignisses verriethen; es wurde gescheuert, geputzt, gewaschen, Geflügel, Wild und Fische herbeigeschafft, Kuchen und feines Brod gebacken u. dgl. m. Schon am Sonnabend Abend fuhr die Kutsche des geistlichen Herrn durchs Dorf nach dem Pfarrhause, und am Sonntage war er selbst in der Kirche zu sehen. Es war eine mittelgroße, tüchtige, eckige Gestalt, breitgeschultert und kräftig, mit ernstem, geröthetem Gesicht und lebhaften, durchdringenden Augen. In der Kirche war er sehr aufmerksam auf die Predigt und die Zuhörer, und
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