wollte, ordentlich heraus: daß Konrad eS gut habe, daß er viel lerne beim Cantor, Schulineister und bei dem Hochwürdigen Herrn selbst.
„Und der," sagte Konrad, „ist gar nicht so böse, als ina» denken sollte, er macht Einem Alles so deutlich, daß man es mit Hände» greifen kann —- Magdale,>e seufzte — aber nachher muß man auch Alles auf ei» Haar wissen, sonst gehts übel. Sie haben Alle ungeheuer» Respekt vor ihm, ja Furcht und Scheu, und das kann man auch wohl; aber ist man gehorsam und thut ordentlich seine Schuldigkeit, so ist er zufrieden. Merkt er hingegen etwas llnrechteS, o dann ist er schrecklich! Und da mag sich Jeder in Acht nehmen! Porigen Sonntag, Muhme, hat er gepredigt über Hesckiel 33, 7— 9." Er holte die wohlbekannte alte Bibel vom Simse, schlug sie auf und las mit Nachdruck: „Du Menschenkind, ich habe Dich zum Wächter gesetzt. Wenn ich nun zu dem Gottlosen sage: Du, Gottloser, mußt des Todes sterben, und Du sagst ihm solches nicht, daß sich der Gottlose warnen lasse vor seinem Wesen, so wird wohl der Gottlose um seines gottlosen Wesens willen sterben; aber sein Blut will ich von Deiner Hand fordern!" Daraus bewies er nun die Pflicht des Seelsorgers, seine Anvertrauten aus ihrem Sündenschlase zu wecke», und hielt dann der Gemeine ihre Pslicht vor; da haben wir Alle gezittert und gebebt in der Kirche."
„Aber," entgegnete Magdalcne bänglich, „er ist doch zu streng, und er könnte sich doch auch irren, ist er doch auch nur ein Menschenkind! Wer soll ihm denn da zurecht helfen, wen» er sie Alle so bange macht?"
„Dafür ist auch gesorgt," sagte Konrad, indem ein besonderes Licht auS seinen Augen brach, „der liebe Gott hat dem eifrigen Vater eine sanfte Tochter gegeben; sie ist sehr zart und schön, Fräulein Emma, und der Hochwürdige hat sie so lieb! Sie kann Alles wagen mit ihm, und sie wagt Alles! Ich denke mir, so müssen die Engel aussehen." Konrad blieb bis Sonntag Nachmittag, und ging dann die sechs
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