ließen sich durchaus nicht darin unterbreche», als Konrad unter sie trat. Dieser sah die tobenden Masse ohne Zucht und Ehrfurcht ihni trotzen; er sagte nichts, setzte sich sogleich anS Klavier, und fing nach einigen kräftigen Accorden an, die Melodie zu spielen und zu singen: Blein erst Gefühl sei Preis und Dank! Der Lärm verstummte plötzlich, einige Stimmen vereinten sich mit der des Lehrers, am Ende des ersten Verses sangen Alle mit.
Nach dem zweiten stand Konrad auf, sprach ein kurzes Gebet, und fing dann gleich an, biblische Geschichte zu lehre». Dann trat er in ihre Reihen, sonderte sie i» Klassen, redete die Einzelnen an, regte ihren Wetteifer auf. Er fand die Jugend im Ganzen sehr unwissend und ver. wildert, doch schienen ihm einige aufgeweckt, die meisten bildungsfähig. Es gab im Anfange manche harte Kämpfe mit Kindern und Eltern, Konrads strenges Halten auf Reinlichkeit und augenblickliche» Gehorsam, sein Hinausschicken der Widerspänstigen und Unreinlichen statt ihnen Schläge anfzuzählen, erschien als unerhörte Neuerung; doch seine gewinnende Lehrgabe, seine unerschütterliche Festigkeit beim einmal ausgespro chenen Worte verfehlten ihre Wirkung nicht, seine Freundlichkeit gegen die Fleißigen und Gutwilligen vollendeten den Eindruck. Nach vierzehn Tagen war sein Ansehen befestigt, nach zwei Monaten war er von Allen geliebt. Die Mütter gewann er vorzüglich dadurch, daß er die Schwache» unter den Schülern zu sich kommen ließ, ihnen forthalf und ihren Eifer weckte; Allen aber gefiel es, daß er die Bessern und Beste» mit sich nahm, wen» er über Feld oder in den Wald ging, sich mit ihnen unterhielt, so lange noch kein Schnee die Natur verhüllte, über tausend Wunder derselben, die der Landmann, in Arbeitsgedanken, in Streben nach Nutzen verloren, nicht sieht, nicht achtet, oder sie zu abergläubischen Gebilden verzerrt, —- und dann als der Winter kam, ihnen Passendes aus Erdbeschreibung und Geschichte in einfacher Erzählung lehrte, immer

