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fahrender Weise vorwarf, aber auch daß die Tochter mit schlagender Keckheit, mit Trotz erwiederte, und die Biutter lange reizte, bis diese endlich mit Thätlichkeiten drohte; dann entfloh Hannchen, bis das Gewitter vorüber war.
Einst hielt Frau Schneder Konrad nach der Stunde auf, sie war gut gestimmt und sagte freundlich: „Ich finde, daß mein guter, kleiner Bennv schon recht hübsche Fortschritte unter Ihrer Leitung gemacht hat, lieber Herr Weise; wollen Sie nicht noch eine andere Stunde in meiner Familie übernehmen? Da ist Hannchen, das große Mädchen, schon fünfzehn Jahre alt! Die theuern Mufikstunden, die sie bis jetzt gehabt, haben sie blutivenig weiter gebracht. Ihr Bormund will durchaus, daß sie Musik lernen soll, da wollte ich's lieber einmal mit wohlfeileren Stunden versuchen, da Hannchen nur wenig Vermögen hat."
Konrad lächelte, doch zeigte er sich nicht beleidigt und entgegnete, er hoffe, soviel Zeit zu finden.
Die Stunden begannen in Gegenwart der Biutter. Konrad entdeckte in seiner Schülerin ein Talent, das mehr aus Trotz und Verstimmung als aus Trägheit vernachlässigt worden war. Er behandelte sie ernst und gemessen, tadelte, was seine stets wache Aufmerksamkeit gefunden, bestimmt, und rügte es unerbittlich bei jeder Vernachlässigung
wieder, doch war er stets sanft und gerecht, und bemerkte bald, daß sie fleißig übte und vorwärts strebte. Statt ihrer früheren, bald kecken, bald mürrischen Art, lastete eine sichtliche Niedergeschlagenheit auf ihr.
Konrad hatte einst wieder verweinte Auge» bei seiner Schülerin bemerkt, da ward die Biutter in ein anderes Zimmer gerufen, wo eine beredte Freundin sie länger festhielt. Hannchen ließ nach einigen Takten die Hände in den Schooß fallen, drückte sie dann an ihre Augen und flüsterte unter leisem Weinen: „Ach, ich bin so unglücklich!"

