gehen. Aber meine zweite Nachricht ist eben so interessant und dringend; sie verheißt, eine andere Wunde unseres Hauses zu heilen."
„Welche denn?"
„Die Schulnoth. Ich brauche Dir nicht die Verdrießlichkeiten zurückzurufen, welche die intrigante Duchalon Dir bereitet! Wir haben sie entfernt, und unsere beiden Mädchen in die Schule geschickt! aber diese erscheint uns ungenügend..."
„lind wie!" seufzte die Mutter, „Malwina wird ganz blaß. so quält sie sich ab, all den unnützen, trocknen Wortkram auswendig zu lernen, der ihr dort aufgeladen wird, und den sie sicherlich doch nur lernt, um ihn baldigst wieder zu vergessen. Therese, die so gewandt und tüchtig im Hause ist, und der es doch wirklich nicht an Verstände fehlt, hat immer schlechte Zeugnisse, und man merkt es ihr a», daß nur
ihr reges Pflichtgefühl sie ihre Schul-Obliegenheiten erfüllen läßt — eS ist mir deshalb klar, daß man sie ganz unrichtig behandelt, lind nun gar im Frühling, ivenn wir aufs Land gehen sollen, dann werden wir gänzlich auf Nichts gestellt sein!"
Marianne betonte daS Sollen so, daß es wie ein aufzuerlegender Zwang hervortrat, und beschivur dadurch neue Wolken auf ihres Gatten Stirn, er fuhr aber mit der Hand darüber hin, als wolle er das peinliche Fragezeichen, waS sie dahin geschrieben, auslöschen und begann: „Ja wohl, auch ich habe diese gegenwärtige, und noch mehr die künftig drohende Noth ernstlich inS Auge gefaßt, und mich bestrebt, ihr abzuhelfen."
„Wie aber?" unterbrach Marianne. „Jene Jda Mellow will ja nicht als Lehrerin und Erzieherin auftreten — sie wird auch ohnedies genug zu thu» haben. Ja, wenn Lalche» sich aus ihrer Apathie aufraffen wollte, sie ist ja Erzieherin gewesen, sie könnte noch etwas für unsere Kinder thun..."

