So gewann die kleine, stille Zda Fuß für Fuß immer mehr Boden um einen festen Standpunkt im Hause zu erlangen; am schwersten wurde es ihr - bei Frau Conring, die sie unbedeutend und entsetzlich wortkarg fand, ihr Vorlesen als einschläfernd und monoton tadelte, und es höchst ungefällig von ihr nannte, daß sie nicht Malwina, nicht einmal Therese bei ihren musikalischen Uebungen überwachen wolle. Und warum nicht? Weil sie nicht musikalisch gebildet sei. Wie seltsam! Soviel Gehör hat doch wohl jedes Wesen, das Gott durch ei» fühlendes Herz und gesunde Sinne zum Blenschen gemacht! Trotz dieser unleugbaren Mangel an der jungen Neuerworbenen, sing Marianne an, der sanften Macht der Gewohnheit sich nach und nach zu fügen, und Jda als zum Hauswesen gehörig anzusehen, — als Conring die ganze kleine Welt seiner Familie mit der Nachricht aufregte: „Heute wird Fräulein von Waldenhoven kommen. Diester und seine Frau werden sie bringen!"
Cin Stein fiel auf JdaS Herz. als sie diese Kunde vernahm, doch hütete sich, ihren prophetischen Schrecken zu verrathen, und dies ward ihr leicht; denn Niemand achtete auf sie. Auch blieb nicht lange Zeit, sich in Vermnthungen zu ergehen, und die Erwartung höher zu spannen; denn kaum waren die nöthigen Vorbereitungen getroffen, als das munter schmetternde Posthorn den Vater und eine» Theil der Kinder vor die Thüre deS HauseS rief. Ei» eleganter Reisewagen, vielbepackt, hielt an, zwei Damen waren im Fonds sichtbar, ein Herr ihnen gegenüber, sie waren es.
Diester und seine Frau, ein heitres, mittelalterliches Paar, wurde mit lebhafter Freude bewillkommnet; sie führten sogleich ihre theure L-chützlingi» in die Familie ein, der sie von nun an gehören sollte.
Blit gewnnendem Lächeln und anmuthiger llnbefangenheit verbeugte sich Agathe von Waldenhoven, und bot Malwina und Therese freundlich die Hand. Eine hohe, schlanke Gestalt, ein interessantes, lebensvolles
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