auch in den Gesangproben hielt sie die Chöre, und war Mit gutem und freundlichem Rathe überall zur Hand. Sie hatte nur eine unbedeutende Stimme, doch ilir tiefes Verständniß der Musik war hier eben so viel werth, als eine ausgezeichnete; außerdem waren die Solopartieen gut besetzt.
Ein gedrängt volleres Concert hatte man nie erlebt, ein glänzender und mannichfaltiger ausgestattetes auch nicht; Jeder ging mit befriedigtem Herzen nach Hause; denn ei» gutes Werk auf so genußreiche Weise vollbracht zu haben, setzt den Menschen immer in erhöhte Stimmung. Als Glanzmomente wurden die beiden Stücke genannt, welche Agathe vorgetragen, außerdem der 120. Psalm, der mit herrlicher Präcision und vollem Ausdruck gesungen worden war.
Von der Conringsche» Familie hatte Niemand im Concertsaale gefehlt, Tante Laichen hatte sich der Ruhe und Einsamkeit entrissen, in welcher sie sonst den größten Theil ihrer Tage hinbrachte, ja selbst der kleine Paul hatte ganz still an der Seite seiner Jda ausgehalten. Wie erglüheten Agathens Schülerinnen, als sie vortrat, sich unbefangen und anmuthig verneigte, spielte, und der Strom des Beifalls sie umrauschte! Mit tvelcher Inbrunst umarmten sie ihre Lehrerin, als sie nach dem Concert wieder zu ihnen kam. „Ach, so beklatscht zu werden," rief Mal- wina, als sie nach Hause fuhren, „es ist doch etwas Göttliches! Kann es ein größeres Glück geben?'
„Agathe," sagte Jda sanft, „muß ei» viel größeres empfinde»; sie hat die Thränen der Armen getrocknet, sie hat ein herrliches Liebeswerk gethan" ... Agathe drückte ihr herzlich die Hand-
Die Kinder waren längst Alle zu Bett, und Jda mit den beide» Kleine» in ihrer Stube, als Agathe, die noch länger bei dem Con- ringschen Paare geblieben war, leise in der ihrigen, die nur durch ein kleines Garderobenkämmerchen von Jdas Zimmer getrennt war, ankam,
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